Oktober 17, 2026

Hautpilzerkrankungen bei Hund und Katze


Hautpilzerkrankungen bei Hund und Katze: Erkennen, Ursachen, Behandlung und Vorbeugung

Hautpilzerkrankungen gehören zu den ansteckenden Hauterkrankungen, die sowohl Hunde als auch Katzen betreffen können. 
Sie verursachen häufig kahle Stellen, Hautveränderungen und Schuppen. 
Das Problem: Die Erkrankung ist nicht immer eindeutig zu erkennen und kann auch auf den Menschen übertragen werden.

Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung helfen, die Infektion einzudämmen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

1. Hautpilz bei Hund und Katze erkennen

Hautpilzerkrankungen können unterschiedlich aussehen. Manche Tiere zeigen nur kleine kahle Stellen, während andere deutliche Entzündungen oder großflächige Hautveränderungen entwickeln.

Typische Symptome sind:

  • Kreisrunder Haarausfall: Einzelne Bereiche des Fells werden dünner oder fallen vollständig aus.
  • Schuppige Haut: Die betroffenen Stellen können trocken sein und Schuppen bilden.
  • Rötungen und Entzündungen: Die Haut kann gereizt, gerötet oder verkrustet sein.
  • Abgebrochene Haare: Das Fell wirkt an manchen Stellen stumpf oder unregelmäßig.
  • Juckreiz: Manche Tiere kratzen oder lecken sich verstärkt. Bei anderen fehlt der Juckreiz vollständig.
  • Veränderungen an Ohren, Gesicht und Pfoten: Diese Bereiche sind häufig betroffen, grundsätzlich kann aber der gesamte Körper erkranken.

Bei einzelnen Tieren entstehen auch stärkere Entzündungen, Pusteln oder knotige Hautveränderungen.

Wichtig: Nicht jede kahle oder schuppige Hautstelle ist ein Hautpilz. 
Allergien, Milben, bakterielle Infektionen und andere Hauterkrankungen können ähnliche Symptome verursachen.

2. Wie wird Hautpilz festgestellt?

Die sichere Diagnose gehört in tierärztliche Hände. 
Je nach Befund kommen verschiedene Untersuchungsmethoden infrage:

  • Untersuchung mit der Wood-Lampe: Bestimmte Pilzinfektionen können unter speziellem UV-Licht durch eine charakteristische Fluoreszenz auffallen. Ein unauffälliges Ergebnis schließt Hautpilz jedoch nicht aus.
  • Mikroskopische Untersuchung: Haare und Hautmaterial werden auf verdächtige Pilzstrukturen untersucht.
  • Pilzkultur: Eine Probe wird im Labor angezüchtet, um eine Infektion nachzuweisen.
  • Weitere Labortests: Je nach Fragestellung können molekularbiologische Verfahren wie eine PCR eingesetzt werden.

Nicht jeder Test erkennt jede Pilzart zuverlässig. Deshalb kann eine Kombination verschiedener Untersuchungsmethoden erforderlich sein.

3. Ursachen: Wie entsteht eine Hautpilzerkrankung?

Hautpilzerkrankungen werden häufig durch sogenannte Dermatophyten verursacht. 
Diese Pilze befallen keratinhaltige Strukturen wie Haare und die äußeren Schichten der Haut.

Zu den relevanten Erregern gehören Microsporum canis und verschiedene Arten der Gattung Trichophyton.

Ansteckung durch andere Tiere

Hunde und Katzen können sich bei infizierten Artgenossen anstecken. 
Besonders bei engem Kontakt, beispielsweise in Tierheimen, Zuchten oder Mehrtierhaushalten, kann sich der Erreger verbreiten.

Auch Tiere ohne sichtbare Hautveränderungen können Pilzmaterial übertragen.

Ansteckung über die Umgebung

Pilzsporen können über infizierte Haare und Hautschuppen in die Umgebung gelangen.

Mögliche Übertragungsquellen sind:
  • Schlafdecken und Körbchen
  • Bürsten und Kämme
  • Transportboxen
  • Liegeplätze und Polstermöbel
  • Hände, Kleidung und andere Gegenstände, die mit infiziertem Fell in Kontakt kommen

Einige Pilzsporen können in der Umgebung sehr lange infektiös bleiben. Deshalb ist die Reinigung des Haushalts ein wichtiger Bestandteil der Bekämpfung.


Welche Tiere sind besonders gefährdet?

Ein erhöhtes Risiko besteht unter anderem bei:
  • Welpen und jungen Katzen
  • Tieren mit geschwächtem Immunsystem
  • Tieren mit anderen Hauterkrankungen
  • Tieren in größeren Gruppen
  • Katzen mit engem Kontakt zu infizierten Artgenossen
  • Tieren, die aus Tierheimen, Zuchten oder anderen Gruppenhaltungen stammen

Grundsätzlich können jedoch Hunde und Katzen jeden Alters und jeder Rasse erkranken.

Können Menschen sich anstecken?

Ja. Bestimmte Hautpilze von Hund und Katze können auf Menschen übertragen werden. Man spricht dabei von einer Zoonose.

Beim Menschen können gerötete, schuppende und teilweise ringförmige Hautveränderungen entstehen. Besonders vorsichtig sollten Haushalte mit kleinen Kindern, älteren Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem sein.

Bei verdächtigen Hautveränderungen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Eine mögliche Infektion des Menschen sollte außerdem bei der tierärztlichen Behandlung des Haustieres angesprochen werden.

Aber auch andere Haustiere können sich durchaus anstecken, oder sogar die Quelle der Pilzinfektion sein. 
Besonders anfällig sind z.B. Meerschweinchen oder Pferde.
Auch landwirtschaftliche Nutztiere wie Kälber („Kälberflechte“) können daran erkranken oder die Ursache sein.

4. Hautpilz behandeln: Was hilft wirklich?

Eine konsequente Behandlung ist wichtig, um die Erkrankung zu verkürzen und die Ansteckungsgefahr für andere Tiere und Menschen zu reduzieren.

Die Therapie richtet sich nach der Pilzart, dem Ausmaß der Infektion, dem Alter und Gesundheitszustand des Tieres sowie den Lebensbedingungen im Haushalt.

Äußerliche Behandlung

Je nach Befund kommen geeignete pilzhemmende Shampoos, Waschlösungen oder andere tierärztlich ausgewählte Präparate wie z.B. Salben oder Hautcremes zum Einsatz.

Bei ausgedehnten Infektionen kann es erforderlich sein, das gesamte Fell entsprechend dem Behandlungsplan zu behandeln und nicht nur die sichtbar betroffenen Hautstellen.

Bei langhaarigen Tieren oder ausgeprägtem Befall kann eine fachgerechte Fellkürzung sinnvoll sein. 
Das Scheren sollte mit der Tierarztpraxis abgestimmt werden, da dabei infektiöse Haare und Hautschuppen verbreitet werden können.

Behandlung mit Medikamenten

Bei vielen bestätigten Dermatophyteninfektionen ist manchmal auch zusätzlich eine systemische Behandlung mit einem pilzhemmenden Medikament notwendig. 
Diese Mittel werden in der Regel oral verabreicht.

Welcher Wirkstoff geeignet ist und wie lange die Behandlung dauert, entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt. 
Dabei müssen insbesondere mögliche Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und die besonderen Bedürfnisse von Katzen berücksichtigt werden.
Grundsätzlich sind die Nebenwirkungen oraler Pilzmedikamente nicht zu unterschätzen!

Bitte keine Humanmedikamente, Hausmittel oder übrig gebliebenen Arzneimittel eigenständig anwenden. Nicht jedes Präparat ist für Hunde und Katzen geeignet. 
Einige für Menschen oder Hunde verwendete Wirkstoffe und Produkte können für Katzen gefährlich sein.

Wie lange dauert die Behandlung?

Die Behandlung kann sich über mehrere Wochen bis Monate erstrecken. 
Die sichtbare Besserung bedeutet nicht automatisch, dass keine ansteckenden Pilze mehr vorhanden sind.

Deshalb sollte die Therapie nach tierärztlicher Anweisung durchgeführt und ihr Erfolg gegebenenfalls durch Kontrolluntersuchungen überprüft werden. 
Die Behandlung darf nicht allein deshalb abgebrochen werden, weil das Fell wieder besser aussieht.
Häufig kommt es zu Re-Infektionen.
Bei Tieren, die aus anderen Gründen unter Cortison stehen, oder eine immunschwächende Grunderkrankung (Katzen z.B. FIV FeLV) haben, kann eine Pilzerkrankung unter schlechten Umständen auch gar nicht mehr abheilen.

Sind Impfungen sinnvoll?

In Deutschland stehen Impfstoffe gegen bestimmte Dermatophyten für Hunde und Katzen zur Verfügung. 

Als „Therapie-Impfung“ kann der Dermatophyten-Impfstoff auch während einer Infektion eingesetzt werden und kann ggf. das Immunsystem pushen und so die Abheilung beschleunigen.

Als Prophylaxe in betroffenen Beständen, Zuchten, Tierheimen kann die Impfung als „Schutz-Impfung“ auch eingesetzt werden.
Sie bieten keinen zuverlässigen Schutz vor einer Infektion und ersetzen weder Diagnostik noch Behandlung und Hygienemaßnahmen.

Ob eine Impfung im Einzelfall als ergänzende Maßnahme sinnvoll ist, beispielsweise in bestimmten Tierbeständen, sollte tierärztlich beurteilt werden.

Die Umgebung unbedingt mit behandeln

Eine erfolgreiche Therapie beschränkt sich nicht auf das Tier. 
Infizierte Haare, Schuppen und Pilzsporen können sich in der Wohnung verteilen und erneute Ansteckungen begünstigen.

Sinnvolle Maßnahmen sind:
  • Schlafdecken, Handtücher und waschbare Liegeauflagen regelmäßig reinigen.
  • Lose Haare gründlich entfernen und Böden sowie geeignete Oberflächen sorgfältig reinigen.
  • Bürsten, Kämme und Transportboxen nach tierärztlicher Empfehlung säubern und gegebenenfalls desinfizieren.
  • Geeignete Desinfektionsmittel verwenden, die gegen die betreffenden Pilzerreger wirksam sind.
  • Nicht betroffene Tiere vorübergehend von infizierten Tieren und kontaminierten Bereichen trennen, soweit dies praktikabel ist.

Reinigung und gegebenenfalls Desinfektion müssen mit der Behandlung abgestimmt werden. Ein Mittel, das gegen Bakterien wirksam ist, ist nicht automatisch auch gegen Pilzsporen geeignet.

5. Hautpilz bei Hund und Katze vorbeugen

Eine vollständige Vorbeugung ist nicht immer möglich. 
Das Risiko einer Ansteckung lässt sich jedoch durch gute Hygiene und einen bewussten Umgang mit möglichen Infektionsquellen verringern.

Hygienemaßnahmen im Alltag
  • Bürsten und Pflegeutensilien möglichst nicht zwischen verschiedenen Tieren teilen.
  • Schlafplätze, Decken und Transportboxen regelmäßig reinigen.
  • Bei neu aufgenommenen Tieren auf auffällige Haut- und Fellveränderungen achten.
  • Verdächtige Hautstellen frühzeitig tierärztlich untersuchen lassen.
  • Nach Kontakt mit einem infizierten Tier die Hände gründlich waschen.
  • In Haushalten mit mehreren Tieren bei einem bestätigten Befall gemeinsam mit der Tierarztpraxis einen Hygiene- und Untersuchungsplan erstellen.

Immunsystem und Hautgesundheit unterstützen

Eine ausgewogene, bedarfsgerechte Ernährung, eine gute allgemeine Gesundheitsvorsorge und die Behandlung anderer Erkrankungen unterstützen die Gesundheit der Haut.

Weitere Nahrungsergänzungen zur schnelleren Heilung der Haut, alternative Ansätze wie Homöopathie oder Bioresonanz können nach Absprache mit dem Tierarzt Ihres Vertrauens natürlich auch genutzt und eingesetzt werden.

6. Wann sollte ich mit meinem Tier zum Tierarzt?

Eine zeitnahe Untersuchung ist sinnvoll, wenn Sie kahle, schuppige, gerötete oder verkrustete Hautstellen bemerken, insbesondere wenn sich diese ausbreiten oder weitere Tiere im Haushalt betroffen sind.

Suchen Sie möglichst rasch tierärztliche Hilfe, wenn die Haut stark entzündet ist, sich Knoten oder eitrige Veränderungen bilden oder Ihr Tier deutlich beeinträchtigt wirkt.

Bis zur Abklärung sollten Sie engen Kontakt zu anderen Tieren möglichst reduzieren, die betroffenen Stellen nicht unnötig berühren und keine eigenen Behandlungsversuche mit ungeeigneten Mitteln starten.

Fazit

Hautpilzerkrankungen bei Hund und Katze sind häufig gut behandelbar, erfordern aber Geduld und Konsequenz. 
Typische Hinweise sind kreisrunde kahle Stellen, Schuppen, abgebrochene Haare und gerötete Haut. Da andere Erkrankungen ähnlich aussehen können, ist eine tierärztliche Diagnose entscheidend.

Der Behandlungserfolg hängt nicht nur von geeigneten Medikamenten ab: Auch die konsequente Reinigung der Umgebung und der Schutz anderer Tiere und Menschen spielen eine wichtige Rolle.

Merke: Hautpilz ist ansteckend, aber kein Grund zur Panik. Mit einer gezielten Diagnose, einer passenden Therapie und guter Hygiene lässt sich die Infektion in vielen Fällen erfolgreich kontrollieren.

Quellen, Blogartikel und fachliche Grundlage


Der Artikel behandelt vor allem Dermatophyten, also die klassischen ansteckenden Hautpilzerkrankungen. 
Hefepilze wie Malassezia können ebenfalls Haut- und Ohrenprobleme verursachen, sind aber gesondert zu betrachten und bekommen (irgendwann) einen eigenen Blogartikel …
Einzelartikel lesen

Oktober 15, 2026

Woran erkenne ich chronische Schmerzen meiner Katze im Alter?


Woran erkenne ich, dass meine Katze im Alter chronische Schmerzen hat?

Ältere Katzen leiden häufig still. 

Sie miauen nicht unbedingt, humpeln selten deutlich und zeigen oft erst spät, dass ihnen etwas wehtut. 
Stattdessen verändern sie schrittweise ihr Verhalten: 
Sie springen weniger, ziehen sich zurück, schlafen mehr oder lassen ihre Fellpflege schleifen.

Für Katzenhalter ist es deshalb besonders wichtig, die kleinen Veränderungen im Alltag wahrzunehmen. 
Denn was häufig als normale Alterserscheinung betrachtet wird, kann ein Hinweis auf chronische Schmerzen sein. 
Mit der richtigen tierärztlichen Behandlung und einigen Anpassungen im Zuhause lässt sich die Lebensqualität vieler älterer Katzen deutlich verbessern.

Warum verstecken Katzen ihre Schmerzen?

Katzen sind Meister darin, Schmerzen und Schwächen zu verbergen. 
Dieses Verhalten ist tief in ihren natürlichen Instinkten verankert. 
Deshalb kann eine Katze bereits unter erheblichen Beschwerden leiden, obwohl sie äußerlich noch relativ unauffällig wirkt.

Chronische Schmerzen entwickeln sich häufig langsam und bestehen über Wochen, Monate oder sogar Jahre. 
Die Katze passt ihr Verhalten nach und nach an die Beschwerden an. 
Sie vermeidet Bewegungen, die wehtun, und sucht sich neue Wege, um ihren Alltag zu bewältigen.

Besonders häufig sind ältere Katzen von folgenden schmerzhaften Erkrankungen betroffen:

  • Arthrose: 
    • Verschleiß und Veränderungen an den Gelenken erschweren Bewegungen.
  • Zahnerkrankungen: 
    • Entzündungen des Zahnfleisches, FORL (eine schmerzhafte Zahnerkrankung) oder andere Zahnprobleme können erhebliche Schmerzen verursachen.
  • Erkrankungen der Wirbelsäule: 
    • Veränderungen an den Wirbeln und Bandscheiben können die Beweglichkeit einschränken.
  • Chronische Entzündungen: 
    • Auch Erkrankungen innerer Organe oder anderer Gewebe können anhaltende Beschwerden auslösen.

Wichtig ist: Nicht jede ältere Katze hat Schmerzen, aber ein hoher Prozentsatz eben doch. 
Veränderungen im Verhalten sollten jedoch nicht automatisch mit dem Alter erklärt werden.

10 typische Anzeichen für chronische Schmerzen bei älteren Katzen

1. Die Katze springt nicht mehr so gern

Ein besonders wichtiger Hinweis ist eine veränderte Beweglichkeit. 
Die Katze springt nicht mehr auf die Fensterbank, das Sofa oder ihren gewohnten Schlafplatz. Vielleicht schafft sie den Sprung noch, zögert aber vorher oder benutzt Zwischenstationen.

Auch das Herunterspringen kann unangenehm sein, weil dabei die Gelenke stark belastet werden.

Achte auf folgende Veränderungen:
  • Die Katze vermeidet hohe Sprünge.
  • Sie steigt lieber über einen Stuhl auf das Sofa.
  • Sie bewegt sich vorsichtiger auf Treppen.
  • Nach dem Liegen braucht sie länger, um in Bewegung zu kommen.

Solche Beobachtungen können auf Arthrose oder andere Probleme des Bewegungsapparates hinweisen.

2. Sie bewegt sich weniger und schläft mehr

Natürlich schlafen ältere Katzen häufig länger als junge Tiere. 
Auffällig wird es jedoch, wenn sich das Aktivitätsniveau deutlich verändert.

Die Katze spielt kaum noch, läuft weniger durch die Wohnung oder bleibt überwiegend an einem einzigen Platz liegen. 
Vielleicht interessiert sie sich nicht mehr für ihre Lieblingsspielzeuge oder begleitet ihre Menschen seltener durch die Wohnung.

Ein möglicher Grund ist, dass Bewegung Schmerzen verursacht und die Katze diese deshalb vermeidet.

Merke: Nicht allein die Schlafdauer zählt, sondern vor allem die Veränderung gegenüber dem früheren Verhalten.

3. Die Fellpflege lässt nach

Katzen verbringen normalerweise viel Zeit mit ihrer Körperpflege. 
Wenn bestimmte Bewegungen schmerzhaft werden, kann sich dieses Verhalten verändern.

Bei Gelenkproblemen fällt es einer Katze möglicherweise schwer, sich zu drehen oder bestimmte Körperstellen zu erreichen. 
Besonders am Rücken, an den Hinterbeinen und am Bauch können sich dann verfilzte Haare oder ein ungepflegtes Fell zeigen.

Manche Katzen pflegen sich dagegen an einzelnen Stellen auffällig häufig. 
Übermäßiges Lecken kann ebenfalls auf Schmerzen oder andere Beschwerden hindeuten.

Ein ungepflegtes Fell ist deshalb nicht einfach nur ein Schönheitsproblem, sondern kann ein wichtiges Warnsignal sein.

4. Die Katze zieht sich zurück

Eine Katze mit chronischen Schmerzen sucht möglicherweise häufiger ruhige, geschützte Plätze auf. 
Sie liegt länger allein, versteckt sich öfter oder beteiligt sich weniger am Familienleben.

Manche Katzen werden weniger anhänglich. 
Andere suchen verstärkt die Nähe ihrer Bezugspersonen, weil sie Sicherheit und Ruhe benötigen.
Einige Tiere werden aggressiver, weil auch Katzen ein chronischer Schmerz „auf die Nerven geht“!

Solche Veränderungen sind nicht eindeutig für Schmerzen. 
Auch andere Erkrankungen, Stress oder altersbedingte Veränderungen können dahinterstecken. 
In Verbindung mit weiteren Auffälligkeiten sollten sie jedoch ernst genommen werden.

5. Sie reagiert empfindlich auf Berührungen

War die Katze früher verschmust und lässt sich plötzlich nicht mehr gern am Rücken, an den Hüften oder an den Beinen streicheln, kann das ein Hinweis auf Schmerzen sein.

Mögliche Reaktionen sind:
  • Sie zuckt bei Berührungen zusammen.
  • Sie dreht den Kopf abrupt zur Hand.
  • Sie schlägt mit dem Schwanz oder legt die Ohren an.
  • Sie faucht, knurrt oder versucht zu beißen.
  • Sie möchte nicht mehr hochgehoben werden.

Auch eine sonst freundliche Katze kann bei Schmerzen ungewohnt gereizt reagieren.

Wichtig: Versuche nicht, durch kräftiges Abtasten selbst herauszufinden, welche Stelle schmerzt. 
Das kann der Katze zusätzliche Beschwerden bereiten.

6. Fressen und Kauen verändern sich

Chronische Schmerzen im Maul werden häufig lange übersehen. 
Gerade ältere Katzen leiden nicht selten unter Zahnfleischentzündungen, Zahnproblemen oder FORL.

Mögliche Hinweise sind:
  • Die Katze kaut langsamer oder bevorzugt eine bestimmte Seite.
  • Es riecht unangenehm aus dem Maul.
  • Beim Gähnen sieht man gerötetes Zahnfleisch.
  • Futter fällt beim Kauen aus dem Maul.
  • Sie schluckt Trockenfutter lieber unzerkaut oder bevorzugt plötzlich weiches Futter.
  • Sie speichelt stärker als gewöhnlich.
  • Sie weicht zurück, wenn der Kopf oder das Maul berührt wird.
  • Sie frisst weniger oder verliert an Gewicht.

Allerdings sind diese Symptome nicht immer eindeutig. 
Auch Erkrankungen innerer Organe können den Appetit verändern.

Wichtig: Frisst eine Katze deutlich weniger oder gar nicht, sollte sie zeitnah tierärztlich untersucht werden. 
Bei vollständiger Futterverweigerung ist insbesondere bei übergewichtigen Katzen rasches Handeln wichtig.
–> Vorbeugung: Deswegen ist es wichtig, die Katze regelmäßig zu wiegen, ob ein Gewichtsverlust auftritt. Auch eine deutliche Gewichtszunahme kann für eine Erkrankung sprechen.

7. Die Katze benutzt das Katzenklo anders oder wird „plötzlich“ unsauber

Auch Veränderungen beim Toilettengang können auf chronische Schmerzen hindeuten.

Eine Katze mit Arthrose hat möglicherweise Schwierigkeiten, über den hohen Rand des Katzenklos zu steigen oder sich darin bequem hinzuhocken. 
Deshalb uriniert oder kotet sie eventuell neben das Katzenklo.

Andere mögliche Anzeichen sind:
  • Sie zögert beim Einsteigen.
  • Sie sucht sich einen leichter erreichbaren Platz.
  • Sie wirkt beim Kotabsatz unruhig.
  • Sie hat zunehmend Probleme mit hartem Kot.

Unsauberkeit sollte niemals vorschnell als Protest oder schlechtes Benehmen interpretiert werden. 
Neben Schmerzen kommen unter anderem Harnwegserkrankungen, Verstopfung und andere medizinische Ursachen infrage.

Achtung: Häufige erfolglose Versuche zu urinieren, starkes Pressen oder das Absetzen nur weniger Tropfen können auf einen Harnwegsverschluss hinweisen. 
Besonders bei Katern ist das ein lebensbedrohlicher Notfall.

8. Die Katze verändert ihre Körperhaltung

Auch ohne deutliches Humpeln kann eine schmerzhafte Erkrankung die Körperhaltung beeinflussen.

Achte darauf, ob deine Katze:
  • ungewöhnlich steif läuft;
  • nach dem Aufstehen zunächst unbeholfen wirkt;
  • eine verkrampfte oder geduckte Haltung einnimmt;
  • sich beim Hinlegen vorsichtig bewegt;
  • eine bestimmte Körperseite entlastet;
  • ungewöhnlich lange in einer Position verharrt.

Manche Katzen vermeiden bestimmte Bewegungen so konsequent, dass eine Lahmheit gar nicht auffällt. 
Eine veränderte Haltung kann aber auch auf innere Erkrankungen hindeuten und sollte tierärztlich abgeklärt werden.

9. Sie miaut mehr oder wirkt nachts unruhig

Manche ältere Katzen miauen häufiger, wandern nachts umher oder wirken ungewöhnlich unruhig. 
Sie finden möglicherweise keinen bequemen Liegeplatz oder stehen immer wieder auf.

Schmerzen können eine mögliche Ursache sein. 
Es kommen jedoch auch andere Gründe infrage, beispielsweise nachlassendes Hör- oder Sehvermögen, Bluthochdruck, Schilddrüsenerkrankungen oder altersbedingte kognitive Veränderungen („Demenz“).

Wenn sich das nächtliche Verhalten deutlich verändert, ist deshalb eine tierärztliche Untersuchung sinnvoll.

10. Die Persönlichkeit verändert sich

Ein weiteres Warnsignal ist eine Veränderung des gewohnten Wesens.

Eine sonst gelassene Katze wird plötzlich reizbar. 
Eine aktive Katze verliert das Interesse an ihrer Umgebung. 
Oder eine Katze, die früher gern auf dem Schoß lag, meidet Körperkontakt.

Solche Veränderungen können durch chronische Schmerzen ausgelöst werden, sind aber nicht beweisend. 
Sie sind ein wichtiger Anlass, die körperliche Gesundheit überprüfen zu lassen.

Welche Schmerzen treten bei alten Katzen besonders häufig auf?

Arthrose: Wenn Bewegung weh tut

Arthrose gehört zu den häufigen Ursachen chronischer Schmerzen bei älteren Katzen. 
Dabei verändern sich die Gelenke, und Bewegungen werden zunehmend unangenehm.

Besonders tückisch ist, dass betroffene Katzen oft nicht deutlich lahmen. 
Stattdessen springen sie weniger, pflegen sich schlechter oder meiden Treppen.

Die Diagnose lässt sich nicht allein anhand des Alters oder des Verhaltens stellen. 
Die tierärztliche Untersuchung ist entscheidend; je nach Befund können weitere Untersuchungen erforderlich sein.

Zahnschmerzen: Wenn Fressen zur Belastung wird

Zahn- und Maulerkrankungen können auch bei Katzen, die noch regelmäßig fressen, erhebliche Schmerzen verursachen. 
Katzen zeigen ihre Beschwerden oft nur durch kleine Veränderungen beim Kauen oder bei der Futterwahl.

Eine gründliche Untersuchung des Mauls ist daher besonders wichtig. 
Bei manchen Zahnerkrankungen sind weiterführende Untersuchungen, beispielsweise Zahnröntgen unter Narkose, notwendig.

Das Argument: „Meine Katze frißt doch noch, dann kann es ja nicht so schlimm sein!“ ist leider falsch, denn was sol das arme Tier denn sonst machen? Verhungern?

Schmerzen durch andere Erkrankungen

Nicht jede Verhaltensänderung im Alter ist auf Arthrose zurückzuführen. 
Auch Erkrankungen der Nieren, des Verdauungstraktes, der Harnwege oder andere gesundheitliche Probleme können Schmerzen oder allgemeines Unwohlsein auslösen.

Deshalb sollte bei älteren Katzen immer das Gesamtbild betrachtet werden.

Wie erkenne ich, ob meine Katze Schmerzen hat?

Eine einzelne Beobachtung reicht häufig nicht aus. 
Aussagekräftiger ist die Kombination mehrerer Veränderungen.

Stelle dir folgende Fragen:
  • Springt meine Katze seltener als früher?
  • Bewegt sie sich nach dem Aufstehen steif?
  • Hat sich ihre Fellpflege verändert?
  • Reagiert sie empfindlicher auf Berührungen?
  • Spielt sie weniger oder zieht sie sich zurück?
  • Frisst sie anders oder hat sie Gewicht verloren?
  • Gibt es Veränderungen beim Katzenklo?
  • Wirkt sie nachts unruhiger oder miaut sie häufiger?

Hier können Sie sich ein PDF herunterladen und dieses für die Beurteilung ausfüllen:


Wenn Sie mehrere Fragen mit Ja beantworten oder eine deutliche Veränderung bemerken, sollten Sie einen Tierarzttermin beim Tierarzt Ihres Vertrauens – DocGoy vereinbaren.

Hilfreich ist es, das Verhalten zu Hause zu filmen. 
Ein kurzes Video beim Aufstehen, Laufen oder Springen kann der Tierärztin oder dem Tierarzt wichtige Hinweise geben. 
Auch ein kleines Tagebuch mit Beobachtungen zu Bewegung, Appetit, Fellpflege und Verhalten erleichtert die Einschätzung.
Dieses können Sie uns auch vorab per AnimalChat zusenden, oder Sie vereinbaren gleich einen „online-Termin“ über AnimalChat, sodass ich mir Ihr Tier „live“ anschauen kann.

Was kann der Tierarzt gegen chronische Schmerzen tun?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und der Katze möglichst viel Lebensqualität zu erhalten.

Je nach Erkrankung kommen verschiedene Maßnahmen infrage:

  • Schmerzmedikamente: 
    • Es gibt tierärztlich eingesetzte Medikamente, die chronische Schmerzen lindern können. Auswahl und Dosierung müssen individuell erfolgen, insbesondere bei älteren Katzen mit möglichen Nieren-, Leber- oder anderen Begleiterkrankungen.
  • Behandlung der Grunderkrankung: 
    • Bei Zahnerkrankungen können beispielsweise eine gezielte Zahnbehandlung oder die Entfernung erkrankter Zähne erforderlich sein. Bei Arthrose wird ein individuell abgestimmtes Behandlungskonzept erstellt.
  • Gewichtsmanagement: 
    • Übergewicht belastet die Gelenke zusätzlich. Eine kontrollierte Gewichtsreduktion kann deshalb bei übergewichtigen Katzen sinnvoll sein. Sie sollte schrittweise und mit tierärztlicher Begleitung erfolgen.
  • Weitere unterstützende Maßnahmen: 
    • Je nach Befund können angepasste Bewegung, Physiotherapie oder weitere unterstützende Behandlungen Teil des Plans sein.

Wichtig: Gib deiner Katze niemals eigenständig menschliche Schmerzmittel. 
Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol können für Katzen hochgiftig sein.

Wie kannst du deiner alten Katze den Alltag erleichtern?


Auch zu Hause kannst du viel dazu beitragen, Schmerzen und unnötige Belastungen zu reduzieren.
  • Leichter erreichbare Lieblingsplätze: Kleine Treppen, stabile Zwischenstufen oder Rampen erleichtern den Zugang zu Sofa, Bett und Fensterbank.
  • Katzenklo mit niedrigem Einstieg: So kann die Katze leichter hinein- und hinaussteigen.
  • Futter und Wasser gut erreichbar platzieren: Idealerweise muss die Katze dafür keine Treppen steigen oder weit laufen.
  • Warme, bequeme Liegeplätze anbieten: Ein weiches, zugängliches Bett kann den Komfort verbessern.
  • Rutschige Böden entschärfen: Rutschfeste Unterlagen geben mehr Halt.
  • Fellpflege unterstützen: Sanftes Bürsten hilft, wenn die Katze bestimmte Körperstellen nicht mehr selbst erreicht.
  • Gewohnheiten beibehalten: Ein ruhiger Tagesablauf und gut erreichbare Rückzugsorte können Stress reduzieren.

Beobachte dabei, was deiner Katze tatsächlich hilft. Nicht jede Katze mag angehoben werden, und nicht jede benötigt dieselben Anpassungen.

Wann muss ich mit meiner Katze zum Tierarzt?

Vereinbare zeitnah einen Termin, wenn deine Katze zunehmend steif läuft, weniger springt, sich zurückzieht, sich schlechter pflegt oder Berührungen plötzlich nicht mehr toleriert.

Bei deutlichen oder rasch zunehmenden Beschwerden, stark verminderter Futteraufnahme oder ausgeprägten Schmerzen sollte die Untersuchung besonders zeitnah erfolgen.

Sofort tierärztliche Hilfe ist notwendig, wenn deine Katze beispielsweise Atemnot zeigt, zusammenbricht, starke akute Schmerzen hat oder erfolglos versucht, Urin abzusetzen.

Warte nicht darauf, dass deine Katze laut miaut oder deutlich humpelt. 
Gerade chronische Schmerzen können sich durch sehr subtile Veränderungen bemerkbar machen.

Was kann ich vorbeugend oder unterstützend Gutes für meine Katze tun?

Es gibt auf dem Markt viele Nahrungsergänzungen, die bei älteren Tieren durchaus sinnvoll sind.
Auch homöopathisch oder durch Fütterung von Spezialfutter kann einiges verzögert oder gelindert werden.

Fazit: Alter ist keine Erklärung für Schmerzen

Wenn eine ältere Katze ruhiger wird, weniger springt oder sich anders verhält, muss das nicht einfach am Alter liegen. 
Häufig steckt eine behandelbare Erkrankung dahinter, die Schmerzen verursacht oder die Beweglichkeit einschränkt.

Beobachte deine Katze aufmerksam, vergleiche ihr heutiges Verhalten mit ihren früheren Gewohnheiten und lass auffällige Veränderungen tierärztlich abklären. 
Je früher Schmerzen erkannt werden, desto eher können geeignete Maßnahmen eingeleitet werden.

Deine Katze muss ihre letzten Lebensjahre nicht mit unnötigen Schmerzen verbringen. 
Eine rechtzeitige Diagnose, eine passende Behandlung und ein katzengerecht gestaltetes Zuhause können viel dazu beitragen, dass sie sich wieder wohler fühlt und ihren Alltag möglichst selbstständig genießen kann.

Weiterführende Links:


Allgemeiner Hinweis: Dieser und alle anderen Artikel dienen der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder individuelle Beratung.
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Oktober 13, 2026

Tierfutter für Hunde und Katzen: Geht es auch vegan?


🫛 Vegetarische und vegane Fütterung im Fokus!


Heute möchten wir über ein Thema informieren, welches unter Tierfreunden kontrovers diskutiert wird: Die vegetarische und teilweise auch vegane Ernährung von Hunden und Katzen.

🐺🧬🐈 Der Hund stammt vom Wolf ab und die Hauskatze von der Afrikanischen Wildkatze (Falbkatze) – Fleischfresser durch und durch. 
Dennoch können die domestizierten Haustiere heutzutage auch vegetarisch ernährt werden, denn:

💡 Entscheidend sind die Nährstoffe, nicht die Zutat Fleisch.

🥚🫛🥔 Solange die Mahlzeit alle essentiellen Aminosäuren enthält, darf das Futter auch aus anderen hochwertigen Proteinquellen wie z. B. Ei und Erbse bestehen. 
Auch die Stärkeverdauung hat sich im Laufe der Domestikation bei Hunden und Katzen verändert, sie können diese heutzutage sehr gut verwerten und Pflanzen als Energiequelle nutzen.


⚠️💊📊 Bei veganer Ernährung

ist jedoch, insbesondere bei Katzen, große Vorsicht geboten, da sie im Gegensatz zu Hunden essentielle Nährstoffe wie Taurin und Vitamin A nicht selbst bilden können. 
Auch die Arachidonsäure (Omega-6-Fettsäure) gehört in diese Kategorie. 

Diese Nährstoffe müssen bei Katzen also zwingend synthetisch zugegeben werden, um einen Mangel und damit mögliche Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Du siehst, bei der vegetarischen und vor allem veganen Ernährung gibt es einiges zu beachten. 
Aus diesem Grund möchten wir Dir den in diesem Blogbeitrag verlinkten Magazinbeitrag ans Herz legen. 

Hier findest Du alle nötigen Infos und Denkanstöße zu diesem Thema.


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Siehe auch den Blogartikel von gestern: https://hund-katze-heimtier-kleintier.de/veggie-complete-vegetarisches-alleinfutter-fuer-hunde-und-katzen/

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Oktober 12, 2026

Veggie Complete – vegetarisches Alleinfutter für Hunde und Katzen


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Oktober 10, 2026

Babesiose beim Hund – Symptome, Behandlung und Vorbeugung


Babesiose beim Hund – Symptome, Behandlung und Vorbeugung


Babesiose beim Hund ist eine ernstzunehmende, durch Zecken übertragene Erkrankung, die auch in Deutschland immer häufiger auftritt.
Sie kann innerhalb kurzer Zeit zu einer schweren Blutarmut führen und unbehandelt tödlich verlaufen.

Lange Zeit galt die Babesiose vor allem als typische Reisekrankheit.
Inzwischen ist sie jedoch auch in Deutschland angekommen. 
Die Wiesenzecke (Dermacentor reticulatus – früher auch „Auwaldzecke“ genannt), die insbesondere Babesia canis übertragen kann, hat sich in Deutschland und Europa weiter ausgebreitet. 
Dadurch können sich Hunde inzwischen auch ohne Auslandsaufenthalt infizieren.

Gerade aus der tierärztlichen Praxis gibt es inzwischen konkrete Erfahrungen mit Hunden, die sich nachweislich in Deutschland angesteckt haben. 
Auch im Raum Lüchow-Dannenberg wurden entsprechende Fälle festgestellt.

⚠️ Wann muss mein Hund sofort zum Tierarzt?


Bei einem Hund mit möglichem Zeckenkontakt sollten folgende Symptome ernst genommen werden:

  • hohes Fieber, insbesondere über 40 °C
  • starke Müdigkeit oder Teilnahmslosigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Druckempfindlichkeit im Bauchbereich
  • blasse Schleimhäute
  • gelbliche Schleimhäute oder Haut
  • rotbrauner oder sehr dunkler Urin – colafarbender Urin
  • deutliche Schwäche oder Kreislaufprobleme
  • Atemnot
  • Bewegungsstörungen
  • Krampfanfälle
  • plötzlich deutlich schlechter Allgemeinzustand

Besonders verdächtig ist die Kombination aus Fieber, Schwäche, blassen Schleimhäuten und dunkel- bzw. rotbraun verfärbtem Urin.

Aber: Eine Babesiose muss nicht immer mit dem vollständigen „typischen“ Krankheitsbild beginnen. In der Praxis können zunächst beispielsweise nur Fieber und Mattigkeit auftreten. Ein solcher Fall wurde auch in der Kleintierpraxis Gusborn bei DocGoy beschrieben.

In der letzten Zeit haben wir vermehrt Fälle, die nur mit Durchfall, Erbrechen und „Bauchschmerzen“ in die Praxis kommen und die anderen Hinweise werden dann erst bei der Untersuchung gefunden.

Bei Verdacht sollte nicht abgewartet werden. Eine schnelle tierärztliche Untersuchung kann lebensrettend sein.

Was ist Babesiose beim Hund?


Babesiose ist eine durch einzellige Blutparasiten der Gattung Babesia verursachte Infektionskrankheit.

Die Parasiten befallen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) des Hundes und vermehren sich darin. 
Dadurch werden rote Blutkörperchen zerstört.

Die Folge kann eine teilweise sehr schwere Anämie (Blutarmut) sein.

Je nach Erreger und Krankheitsverlauf können zusätzlich Blutgerinnungsstörungen, Gelbsucht, Nierenprobleme oder neurologische Symptome auftreten.

Die Babesiose wird umgangssprachlich manchmal als „Hundemalaria“ bezeichnet. 
Mit der menschlichen Malaria ist sie jedoch nicht gleichzusetzen.

Ursache: Wie bekommt ein Hund Babesiose?


Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch infizierte Schildzecken.

In Deutschland spielt insbesondere die Wiesenzecke (Dermacentor reticulatus) eine wichtige Rolle. Sie wurde früher auch als Auwaldzecke bezeichnet.

Beim Blutsaugen können infizierte Zecken Babesien auf den Hund übertragen.

Dabei ist wichtig:

Nicht jede Zecke ist mit Babesien infiziert und nicht jeder Zeckenstich führt zu einer Babesiose, doch es werden von Jahr zu Jahr mehr Fälle und die Verbreitung der Wiesenzecken nimmt deutlich zu.

Das Risiko sollte trotzdem ernst genommen werden, denn eine einzige infizierte Zecke kann zur Erkrankung führen.

Babesiose ist keine reine Reisekrankheit mehr


Hunde können sich nach wie vor während Reisen in Regionen mit höherem Babesiose-Risiko infizieren.

Aber auch ein Hund, der ausschließlich in Deutschland spazieren geht, ist inzwischen nicht automatisch geschützt.

Die zunehmende Verbreitung der Wiesenzecke und das Auftreten infizierter Hunde haben dazu geführt, dass Babesiose mittlerweile auch in Deutschland diagnostiziert wird.

Weiterführend bei DocGoy:

→ Babesiose / Hundemalaria im Landkreis Lüchow-Dannenberg
→ Auwaldzecke und damit Babesiose auch hier immer häufiger


Symptome der Babesiose beim Hund


Die Inkubationszeit beträgt häufig etwa ein bis drei Wochen. 
In seltenen Fällen können Krankheitssymptome aber auch wesentlich früher auftreten.

Die Beschwerden können unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Typische Symptome:

  • hohes Fieber
  • Mattigkeit
  • Schwäche
  • Teilnahmslosigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Verdauungsstörungen
  • Durchfall / Erbrechen
  • Schmerzen im Bauchbereich
  • Gewichtsverlust
  • Konditionsverlust
  • blasse Schleimhäute
  • Blutarmut
  • gelbliche Schleimhäute oder Haut
  • rot- bis dunkelbrauner (colafarbener) Urin
  • Einblutungen in Haut oder Schleimhäute

In schweren Fällen können weitere Symptome hinzukommen:

  • Atemnot
  • Ödeme
  • Bauchwasser
  • Bewegungsstörungen
  • Lähmungserscheinungen
  • Krampfanfälle
  • akutes Nierenversagen
  • blutiger Durchfall

Wichtig: Babesiose kann zunächst unspezifisch aussehen

Nicht jeder erkrankte Hund zeigt sofort blassen Schleimhäute oder roten Urin.
Ein Hund kann beispielsweise zunächst lediglich Fieber und Mattigkeit zeigen.

Genau deshalb sollte bei ungeklärtem Fieber nach einem möglichen Zeckenkontakt auch an Babesiose gedacht werden. 
Die Erfahrungen aus der DocGoy-Praxis zeigen, dass eine Erkrankung zunächst durchaus wie ein gewöhnlicher Infekt erscheinen kann.

Wie wird Babesiose festgestellt?


Bei einem entsprechenden Verdacht kann das Blut des Hundes untersucht werden.

Mögliche Untersuchungsmethoden sind:

Blutausstrich

Unter dem Mikroskop kann nach Babesien in den roten Blutkörperchen gesucht werden.

Für den Nachweis kann insbesondere peripheres Kapillarblut, beispielsweise aus Ohrmuschel oder Schwanzspitze, untersucht werden.

PCR

Bei einem unklaren Ergebnis oder bei bestimmten Krankheitsverläufen kann eine PCR-Untersuchung durchgeführt werden.

Dabei wird Erbmaterial der Babesien nachgewiesen.

Die PCR ist besonders bei niedriger Parasitenzahl hilfreich und kann außerdem zur Bestimmung der Babesien-Spezies beitragen.

Dafür muss eine Blutprobe genommen werden und an ein Labor eingeschickt werden – das Ergebnis ist dann in 1 – 2 Tagen da.

Einen sicheren Schnelltest auf Babesiose gibt es für Tierärzte derzeit noch nicht.

Blutbild und weitere Untersuchungen

Zusätzlich können beispielsweise Blutbild, Organwerte und weitere Laborparameter untersucht werden.

Dabei können unter anderem Hinweise auf:
  • Blutarmut
  • Veränderungen der Blutplättchen
  • Leberprobleme
  • Nierenprobleme
gefunden werden.
Das ist wichtig, um die schwere der Schäden zu beurteilen.

Wichtig: Ein einzelner negativer Test schließt eine Babesiose nicht unter allen Umständen sicher aus. Die Untersuchung muss immer gemeinsam mit den Symptomen und der Krankengeschichte beurteilt werden.

Therapie: Wie wird Babesiose beim Hund behandelt?


Eine diagnostizierte Babesiose muss schnell tierärztlich behandelt werden.

Zur Behandlung werden spezielle Medikamente gegen Babesien eingesetzt, sogenannte Babesizide. 
Welche Therapie eingesetzt wird, hängt unter anderem von der Babesien-Art und dem Zustand des Hundes ab.

Zusätzlich kann eine intensive unterstützende Behandlung erforderlich sein.
Dazu gehören beispielsweise:

  • Infusionen
  • Stabilisierung des Kreislaufs
  • Kontrolle von Blutbild und Organwerten
  • Behandlung von Komplikationen
  • gegebenenfalls Bluttransfusionen

Bei einer ausgeprägten Zerstörung roter Blutkörperchen kann eine Bluttransfusion notwendig werden. Dieses ist nur in einer Tierklinik möglich.

Medikamente und Dosierungen gehören in die Hand der Tierärztin oder des Tierarztes und sollten niemals eigenständig angewendet werden.

Im Zweifelsfall sollte lieber eine Behandlung durchgeführt werden, als zu lange abgewartet werden.

Ist Babesiose heilbar?


Ja, eine Babesiose ist grundsätzlich behandelbar.

Allerdings kann ein schwerer oder spät erkannter Verlauf lebensbedrohlich sein. 
Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen, einen schweren Verlauf zu verhindern.

Bei rechtzeitiger Behandlung sind die Tiere innerhalb von 12 – 24 Stunden schon wieder deutlich munterer. Alleine diese positive Besserung ist letztlich auch schon beweisend für eine Infektion mit Babesien, auch wenn die Behandlung von dem Blutergebnis durchgeführt worden ist.

Vorbeugung: So schützen Sie Ihren Hund


Die wichtigste Maßnahme gegen Babesiose ist ein konsequenter und wirksamer Zeckenschutz.

ESCCAP empfiehlt bei Hunden mit regelmäßigem Aufenthalt im Freien eine ganzjährige Zeckenprophylaxe.

Das ist insbesondere deshalb wichtig, weil die Wiesenzecke nicht nur im Hochsommer aktiv ist.
Sie kann bereits bei niedrigen Temperaturen aktiv sein und auch milde Winter überstehen.

1. Zeckenschutz lückenlos durchführen

Das verwendete Präparat sollte:
  • für Hunde zugelassen sein
  • zuverlässig gegen Zecken wirken
  • entsprechend der vorgeschriebenen Schutzdauer angewendet werden
  • regelmäßig und ohne Schutzlücken eingesetzt werden
  • als Tablette, SpotOn oder Injektion gegeben werden

Eine Schutzlücke kann problematisch sein.

In einem aktuellen Fall aus der DocGoy-Praxis hatte ein Hund grundsätzlich einen wirksamen Zeckenschutz. Das Präparat wurde jedoch zu spät erneuert. In diese Schutzlücke fiel nach Einschätzung der Praxis der entscheidende Zeckenstich.


Unsere Praxis empfiehlt ausdrücklich die 12-Moants-Spritze gegen Flöhe und Zecken!
Machen Sie einen Termin in unserer Praxis: https://DocGoy.de

2. Zusätzlich Hund regelmäßig nach Zecken absuchen

Zusätzlich zum Zeckenschutz sollte der Hund nach Spaziergängen kontrolliert werden.
Besonders häufig sitzen Zecken:
  • am Kopf
  • an den Ohren
  • am Hals
  • in den Achseln
  • in der Leistengegend
  • zwischen den Zehen
  • an anderen dünn behaarten Körperstellen

Gefundene Zecken sollten möglichst schnell und sachgerecht entfernt werden.

3. Nicht auf Hausmittel verlassen


Im Internet finden sich zahlreiche Empfehlungen für angeblich natürliche Zeckenmittel.

Für viele dieser Methoden fehlen jedoch belastbare wissenschaftliche Nachweise für eine zuverlässige Schutzwirkung.

ESCCAP empfiehlt deshalb zugelassene und hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit geprüfte Tierarzneimittel.

Auch DocGoy weist in mehreren Beiträgen ausdrücklich darauf hin, dass bei der Zeckenprophylaxe auf wirksame und tierärztlich ausgewählte Präparate gesetzt werden sollte.

Weiterführend bei DocGoy:

→ Flöhe und Zecken – Ungeziefer bei Hund und Katze
→ Erinnerung – Zeckenschutz wegen Babesiose
→ Jetzt an den 12-Monats-Zeckenschutz denken

Babesiose und Zeckenschutz: Was ist wirklich wichtig?


Für Hundehalter lassen sich die wichtigsten Punkte auf fünf Regeln reduzieren:

  1. Zeckenschutz nicht nur im Sommer anwenden.
  2. Schutzintervalle genau einhalten und keine Lücken entstehen lassen.
  3. Den Hund zusätzlich regelmäßig nach Zecken absuchen.
  4. Bei Fieber, Mattigkeit, blassen Schleimhäuten oder dunklem Urin an Babesiose denken.
  5. Bei Verdacht schnell zum Tierarzt.

Häufige Fragen zur Babesiose beim Hund


Kann mein Hund Babesiose bekommen, obwohl er nicht im Ausland war?

Ja.
Babesiose ist inzwischen auch in Deutschland möglich. Insbesondere die Wiesenzecke hat sich in Deutschland weiter ausgebreitet und kann Babesia canis übertragen.

Ist Babesiose für Hunde gefährlich?

Ja.
Die Erkrankung kann zu einer schweren Zerstörung roter Blutkörperchen und damit zu einer lebensbedrohlichen Blutarmut führen. Schwere Verläufe können unter anderem Nierenversagen oder neurologische Komplikationen verursachen.

Wie erkenne ich Babesiose beim Hund?

Typische Anzeichen sind hohes Fieber, Mattigkeit, Appetitlosigkeit, blasse Schleimhäute, Blutarmut, Gelbsucht und rot- bis dunkelbrauner Urin.
Allerdings können die ersten Symptome auch wesentlich unspezifischer sein.

Wie schnell muss Babesiose behandelt werden?

Möglichst sofort nach der Diagnose beziehungsweise bei starkem Verdacht.
Eine unbehandelte akute Babesiose kann schnell (innerhalb von 24 Stunden!) schwerwiegend werden und tödlich enden.

Ist Babesiose heilbar?

Ja. Mit einer geeigneten tierärztlichen Behandlung ist Babesiose grundsätzlich behandelbar. Ein spät erkannter oder schwerer Verlauf kann allerdings trotz Therapie tödlich enden.

Kann ich meinen Hund gegen Babesiose impfen?

Nein! 
Der wichtigste Schutz besteht in der Vermeidung beziehungsweise Reduzierung von Zeckenstichen durch einen wirksamen Zeckenschutz.
Ein Zeckenschutz verhindert nicht in jedem Fall jede Infektion, reduziert aber das Risiko der Übertragung durch Zecken deutlichst.
Es gibt ein Floh- und Zeckenmittel, welches als Injektion gegeben werden kann und für 12 Monate einen Schutz gewährt. Das ist jedoch keine „Impfung“, sondern nur eine andere Applikationsform als üblicherweise über Tabletten oder SpotOn. 

Ist Babesiose auf Menschen übertragbar?

Die beim Hund relevanten Infektionen mit Babesia canis und Babesia gibsonii-artigen Babesien sind nach Angaben von ESCCAP nicht als menschliche Infektionen bekannt.

Kann mein Hund gleichzeitig mehrere Krankheiten haben?

Ja.
Ein Zeckenstich kann grundsätzlich verschiedene Krankheitserreger übertragen. Deshalb sollte bei einem kranken Hund nicht automatisch nur an eine einzige Erkrankung gedacht werden.
Auch DocGoy weist darauf hin, dass beispielsweise Babesiose und andere Erkrankungen gleichzeitig auftreten können.
Auch die Borreliose wird immer wieder durch Zecken übertragen und führt zu schweren, allerdings eher chronischen Erkrankungen und weniger zu Todesfällen.

Fazit


Babesiose ist eine ernstzunehmende und potenziell lebensbedrohliche Erkrankung des Hundes.

Sie wird durch infizierte Zecken übertragen und kann inzwischen auch in Deutschland auftreten. Die Erkrankung zerstört rote Blutkörperchen und kann dadurch innerhalb kurzer Zeit zu einer schweren Blutarmut führen.

Besonders aufmerksam sollten Hundehalter bei Fieber + Mattigkeit + blassen Schleimhäuten + dunkel- oder rotbraunem Urin werden.

Aber auch weniger typische Symptome können auf Babesiose hindeuten.

Die beste Strategie ist deshalb:

Zeckenstiche möglichst verhindern, Zeckenschutz lückenlos durchführen und bei verdächtigen Symptomen frühzeitig tierärztlich untersuchen lassen.

Gerade weil die Wiesenzecke auch bei niedrigen Temperaturen aktiv sein kann, sollte der Zeckenschutz nicht auf einige wenige Monate im Jahr beschränkt werden.
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