April 4, 2024

Wieder Lieferengpässe von Tiermedikamenten in Deutschland


Wieder Lieferengpässe von Tiermedikamenten in Deutschland


In der heutigen Zeit sind Haustiere nicht nur Begleiter, sondern oft ein vollwertiges Familienmitglied. Die Bedeutung ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens ist daher enorm gestiegen. 
Doch was passiert, wenn lebenswichtige Medikamente für unsere geliebten Vierbeiner plötzlich nicht mehr verfügbar sind? 
Leider ist dies eine Realität, mit der viele Tierbesitzer und eben auch wir Tierärzte in Deutschland konfrontiert sind, da Lieferprobleme bei Tiermedikamenten zunehmend zu einer ernsthaften Herausforderung werden.


Die Gründe für Lieferengpässe bei Tiermedikamenten sind vielfältig. 


Ein wichtiger Faktor ist die Komplexität der Lieferkette, die verschiedene Akteure wie Hersteller, Großhändler und Apotheken umfasst. Störungen in einem dieser Glieder können zu einem Dominoeffekt führen, der letztendlich die Verfügbarkeit von Medikamenten beeinträchtigt. Dies kann durch Produktionsprobleme, Qualitätsmängel, regulatorische Hürden oder sogar externe Ereignisse wie Naturkatastrophen oder Pandemien verursacht werden.

Ein weiteres Problem ist die begrenzte Anzahl von Herstellern, die bestimmte Tiermedikamente produzieren. Wenn einer dieser Hersteller aus irgendeinem Grund seine Produktion einstellt oder reduziert, kann dies zu einem erheblichen Engpass führen, insbesondere wenn es keine alternativen Lieferanten gibt. Manche Medikamente werden nur von einem Hersteller produziert und mit unterschiedlichen Produktnamen von unterschiedlichen Firmen vertrieben. Wenn der Hersteller dann ausfällt, haben plötzlich alle Firmen dieses Medikament nicht mehr, obwohl einem eine Vielzahl an Alternativen vorgetäuscht wurde.


Andere Medikamente, die Jahrzehntelang gute Dienste geleistet haben, werden einfach nicht mehr hergestellt. Entweder ist ein Patent ausgelaufen und es lohnt sich nicht mehr, oder die Zulassung ist erloschen und eine neue zu beantragen wäre zu kostenintensiv, oder die Vorschriften haben sich derart verschärft, dass das Medikament nicht mehr hergestellt werden darf oder, oder, oder.

Dies führt oft dazu, dass Tierärzte verzweifelt nach Ersatzlösungen suchen müssen oder sogar gezwungen sind, auf weniger wirksame oder potenziell gefährliche Alternativen zurückzugreifen. Das ganze dann möglichst noch in Rahmen eines deutlich verschärften Tier-Arzneimittel-Gesetzes.

Für bestimmte Tierarten gibt es schon lange praktisch kein einziges offiziell zugelassenes Medikament mehr und der Tierarzt steht immer am Rande der Legalität, wenn er überhaupt irgendein Medikament für diese Tiere verwendet. Das gilt ganz besonders für alle Heimtiere wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Mäuse, Ratten, Reptilien, Fische, Amphibien oder Insekten.


Die Auswirkungen von Lieferengpässen bei Tiermedikamenten sind weitreichend. 
Sie können nicht nur zu unnötigem Leiden bei den Tieren führen, sondern auch die finanzielle Belastung für die Tierbesitzer erhöhen. Oftmals sind die verfügbaren Alternativen teurer oder erfordern zusätzliche tierärztliche Behandlungen, um den Mangel an einem bestimmten Medikament auszugleichen. Darüber hinaus kann die Verzögerung oder Unterbrechung lebenswichtiger Behandlungen schwerwiegende gesundheitliche Folgen für die Tiere haben und sogar zu dauerhaften Schäden oder dem Verlust des Lebens führen.

Zur Zeit fehlen einmal wieder Katzenimpfstoffe, bestimmte Antibiotika, Beruhigungsmittel, Nierenmedikamente und spezifische Schmerzmittel

Um diesem Problem zu begegnen, sind koordinierte Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen erforderlich. Dies umfasst eine verbesserte Überwachung und Frühwarnsysteme, um Engpässe frühzeitig zu erkennen und zu bewältigen. Darüber hinaus müssen die Regulierungsbehörden und die Industrie enger zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Produktionskapazitäten angemessen diversifiziert sind und dass alternative Lieferquellen verfügbar sind, um Ausfälle zu kompensieren.

Auf individueller Ebene können Tierbesitzer vorsorgliche Maßnahmen ergreifen, um sich auf mögliche Lieferengpässe vorzubereiten. Dazu gehört die rechtzeitige Beschaffung von Medikamenten in ausreichender Menge sowie die regelmäßige Kommunikation mit dem Tierarzt, um alternative Behandlungsoptionen zu besprechen.
Ein regelrechtes „Horten“ von Medikamenten jedoch ist kontraproduktiv, da es ersten zu einer zusätzlichen Verknappung führt und zweitens die Medikamente auch nur eine begrenzte Laufzeit / Haltbarkeit haben.


Insgesamt ist die Problematik der Lieferengpässe bei Tiermedikamenten in Deutschland ein komplexes Thema, das sowohl Tierbesitzer als auch die Gesundheitsindustrie vor große Herausforderungen stellt. Durch eine verstärkte Zusammenarbeit und koordinierte Maßnahmen können jedoch Lösungen gefunden werden, um die Verfügbarkeit lebenswichtiger Medikamente für unsere tierischen Familienmitglieder zu gewährleisten und ihr Wohlbefinden zu schützen.

Zur Zeit lastet noch alles auf den Schultern des Tierarztes, der sich oft sehr allein gelassen fühlt, da es keine Zentrale Stelle für zu erwartende Engpasse, oder eine Liste mit erlaubten Ersatzmedikamenten gibt. 
Da hilft dann oft nur „improvisieren“ …

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