Januar 20, 2024

Natürliche Mittel gegen Flöhe, Würmer und Zecken

Natürliche Mittel gegen Flöhe, Würmer und Zecken

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Natürliche Mittel gegen Flöhe, Würmer und Zecken


Diese obige Anzeige* habe ich gerade bei Facebook gefunden und musst schon ein wenig lächeln.
*( –> „PARASITEN – natürlich vorbeugen und bekämpfen – Alternativen zur chemischen Behandlung“ –> Das Originalplakat musste ich aus „urheberrechtlichen Gründen“ unkenntlich machen. Es wurde jedoch abgeändert. Danke dafür, denn jetzt klingt das sehr viel sinnvoller! Die Seite jedoch wurde offenbar vom Netz genommen…)

Das wird ein kurzer Vortrag werden, denn eine wirklich wirksame alternative (pflanzliche) Möglichkeit der Bekämpfung von Flöhen / Zecken / Milben / Würmern gibt es nicht!
 
Tatsächlich sind ausschließlich die Medikamente vom Tierarzt nachweislich wirksam, geprüft und getestet.

Wir wären selbst froh, wenn wir ihnen etwas anderes anbieten könnten und wir haben bei uns in der Praxis in den letzten 30 Jahren auch schon vieles ausprobiert bzw. von unseren Kunden ausprobieren lassen. 
Das Fazit ist leider immer das selbe:
Wenn ein Hund oder eine Katze von Natur aus nicht „lecker“ / „empfänglich“ für Flöhe und Zecken ist, hat er/sie auch selten welche. Egal, was sie ihm in den Nacken reiben oder zu Fressen geben. Wenn Tiere empfänglich für Flöhe und Zecken sind, hilft nichts außer den Mitteln vom Tierarzt.

Angeregt durch die Vortragsankündigung habe ich mir wie folgt einige Gedanken zu dem Thema gemacht und hier einmal aufgeschrieben:

1) Schwarzkümmel für Katzen

Schwarzkümmelöl bei Katzen kann schlimme Folgen haben:
Katzen fehlt ein Enzym, welches die im Schwarzkümmelöl enthaltenen Stoffe umfassend abbauen kann. Deswegen gibt es Vergiftungserscheinungen und Leberschäden treten auf.
Egal, ob Sie das Öl über das Futter geben oder ins Fell schmieren.
Schwarzkümmel kann ab dem ersten Tropfen für Ihre Katze tödlich sein.
Anzeichen für eine Schwarzkümmelöl-Vergiftung von Katzen sind Atemwegsprobleme, Schwellungen, Krämpfe, Erbrechen und Durchfall sowie Appetitverlust und Gewichtsabnahme.
Sollte Ihre Katze aus Versehen mit Öl in Berührung gekommen sein, sollten Sie umgehend einen Tierarzt aufsuchen.

Grundsätzlich: Bevor Sie Ihrer Katze irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel oder Öle verabreichen, sollten Sie immer zuerst den Tierarzt konsultieren. Ein Tierarzt kann Ihnen basierend auf den spezifischen Bedürfnissen Ihrer Katze die besten Empfehlungen geben. Selbst wenn ein bestimmtes Produkt für Menschen als sicher gilt, bedeutet das nicht unbedingt, dass es auch für Tiere geeignet ist.

2) Ätherische Öle auf die Haut auftragen

Lavendel, Zitronenmelisse, Basilikum, Pfefferminze, Rosengeranie, Rosmarin, Zitronengras Teebaumöl, Citronella, Anis, Eucalyptus etc.

Der Geruchssinn von Hunden ist extrem gut entwickelt und übertrifft den menschlichen Geruchssinn bei weitem. Hunde haben etwa 220 Millionen Riechzellen in ihren Nasen, im Vergleich zu etwa 5 Millionen beim Menschen. Darüber hinaus haben Hunde eine Riechschleimhaut, die viel größer ist als die des Menschen.

Die olfaktorische Fähigkeit von Hunden ermöglicht es ihnen, eine Vielzahl von Gerüchen zu erkennen, sie zu verfolgen und zu unterscheiden. Hunde können nicht nur bestimmte Gerüche identifizieren, sondern auch die Richtung, Entfernung und sogar den Verlauf eines Duftes verfolgen. Diese Fähigkeiten machen Hunde in verschiedenen Bereichen nützlich, wie beispielsweise bei der Suche und Rettung, Drogenerkennung, Sprengstoffaufspürung und in der Jagd.

Es wird geschätzt, dass der Geruchssinn von Hunden bis zu 10.000-mal empfindlicher ist als der des Menschen. Dies macht Hunde zu äußerst effektiven und zuverlässigen Helfern in vielen Aufgaben, die auf ihrem ausgeprägten Geruchssinn basieren.

Jetzt überlegen Sie einmal, was Sie dem Hund antun, wenn sie ihm diese stark riechende ätherische Öle ins Fell reiben. Das grenzt an Tierquälerei!

3) Kokosöl / Kokosflocken

Beim direkten besprühen mit Kokosöl auf Flöhe oder Zecken verkleben deren Atemöffnungen und die Tiere sterben. Für die Umgebungsbehandlung ist Kokosöl also durchaus geeignet zur Floh- und Zeckenbekämpfung (–> FLEE)

Bei der Anwendung auf dem Tier kann (hochwertiges und reines) Kokosöl in geringen Mengen positiv sein, da es bei Hautreizungen und Entzündungen beruhigend wirkt.
Eine großflächige Anwendung am Tier führt zur Verstopfung der Poren und hat damit eher einen negativen Einfluss auf die Hautgesundheit.
Eine ausreichende vorbeugende Wirkung gegen Flöhe und Zecken bietet es in keinem Fall.

Wir haben immer wieder junge Welpen in der Praxis, die als „geimpft und gegen Würmer behandelt“ verkauft werden, dann aber mit starkem (sogar sichtbarem) Wurmbefall oder Giardiose zu uns kommen. Auf nachfrage hat der Züchter dann „Kokosflocken“ als Wurmprophylaxe genutzt. Das grenzt schon an Betrug, denn es ist keine tiermedizinische Entwurmung und offensichtlich nicht wirksam.

4) Bernsteinketten 

sind ein hübsches modisches Accessoir, mehr jedoch nicht.

5) Zistrose

Cistus ist eine durchaus gesundheitsfördernde Heilpflanze und wirkt in der richtigen Dosierung unter das Futter gemischt steigernd auf die Abwehrkräfte von Hunden und Katzen. Das ist dem Floh und der Zecke jedoch egal. Die lassen sich nicht davon abschrecken.

6) Homöopathie

Wir setzen Homöopathie / Homotoxikologie gerne und erfolgreich in unserer Praxis ein. Sie wirkt alleine oder in Kombination mit anderen Medikamenten regulierend, selbstheilungsfördernd und bringt die Tiere wieder ins Gleichgewicht.
Auf Flöhe und Zecken hat dieses jedoch keine abschreckende Wirkung.

7) Bioresonanz

Ähnlich verhält es sich mit der von uns so gerne und erfolgreich eingesetzten Bioresonanz.
Diese wirkt hervorragend bei Allergien und vielen anderen Erkrankungen.
Eine abschreckenden Einfluss auf Floh- oder Zeckenbefall bzw. Wurmbefall konnten wir in vielen eigenen Versuchen jedoch leider nicht bemerken.


8) Pyrethrum

Das einzige wirksame pflanzliche Mittel bei Hunden gegen Flöhe und Zecken ist Chrysanthemen Extrakt. (Pyrethrum / Pyrethroide)
Dieses muss jedoch wegen der sich schnell verflüchtigenden Wirkung täglich aufgesprüht werden um auf Flöhe und Zecken abschreckend zu wirken. Dadurch wird bei langfristiger Anwendung die Leber stark belastet.

Um die Wirkungsdauer zu verbessern wurde das Molekül verändert.
Und genau das sind die modernen Floh- und Zeckenmittel für Hunde auf Basis von Pyrethroiden.
Diese sind für die Daueranwendung entwickelt und getestet und haben deswegen eine deutlich geringere Leberbelastung als tägliches Einsprühen mit dem Naturprodukt.

Katzen sind wegen der verminderten Aktivität ihrer Glucuronyltransferase besonders empfindlich gegenüber Pyrethroiden und dürfen deshalb auf keinen Fall mit pyrethroidhaltigen Spot-on Präparaten behandelt werden.

Pyrethrum und Pyrethroide führen bei Katzen zu lebensbedrohlichen Vergiftungen!

9) Warum Wurmkur?

Eine regelmäßige Entwurmung von Hunden und Katzen ist zum einen natürlich gut für das Tier, zum anderen und vor allem aber als Gesundheitsvorsorge für uns Menschen wichtig.
Werden Wurmeier von Hunden und Katzen durch uns Menschen aufgenommen, sitzen diese bei uns NICHT im Darm. Wir sind nur der Zwischenwirt für die Entwicklung der Würmer. Diese als Zoonose (von Tier auf Mensch übertragbare Erkrankung) kann zu lebensbedrohlichen Zuständen führen.
Besonders in Haushalten mit kleinen Kindern sollte eine regelmäßige Entwurmung von Hunden und Katzen stattfinden.

Beispiel Toxokarose – Die Larven beginnen im Menschen eine Wanderung vom Darm durch verschiedene Organe – ernsthafte Schäden an Nervenbahnen, Augen und/oder dem Gehirn sind dann die möglichen Folgen eines Spulwurmbefalls.

Beispiel Echinokokkus (Fuchsbandwurm):



10) Gefahr durch Flöhe und Zecken

Flöhe und Zecken bei Hunden und Katzen führen nicht nur zu Hautproblemen und Juckreiz. Die eigentliche Gefahr besteht in den übertragbaren Krankheiten, die durch Flöhe und Zecken in den Hund gelangen.
Das sind u.a. die Babesiose, Ehrlichiose, Anaplasmose, Borreliose, Leishmaniose, Dirofilariose, andere Filarien-Infektionen und die Bartonellose

11) Kot einsenden – Wurmtest

Das Einsenden von Kotproben bzw. die Kotuntersuchung durch den Haustierarzt ist durchaus sinnvoll, um einen hochgradigen akuten Wurmbefall zu bestätigen.
Ein negativer Test hat jedoch keinerlei medizinische Aussage. Dieser besagt nur, dass in dem kleinen bisschen Kot, welches gerade untersucht wurde keine Wurmeier gefunden wurden. Da Wurmeier jedoch nicht regelmäßig ausgeschieden werden, ist nur ein positiver Wurmtest ein aussagekräftiges Ergebnis.

Übrigens kostet eine wirksame Wurmkur beim Tierarzt (jedenfalls bei uns) für eine Katze bis 8 kg oder einen Hund bis 25 kg ca.  3,- €uro.

Und noch eine wichtige Bemerkung zu Würmern und Kot. Sie sehen auch bei einem Wurmbefall normalerweise keine Würmer im Kot. Man kann höchstens auf Eier untersuchen und das geht nur nach einer speziellen Aufbereitung und mit einem Mikroskop im Labor.
Sollten Sie Würmer im Kot oder im Erbrochenen finden, dann ist ihr Tier soooo voll Parasiten, dass diese sich nicht mehr an der Darmschleimhaut festbeißen können und ausgeschieden werden.
Übrigens, die kleinen weißen und reiskornförmigen Teile bei der Katze im Fell oder auf der Katzendecke sind keine Wurmeier, sondern komplette Bandwurmabschnitte

12) Wildtiere haben doch auch Würmer und Flöhe

Ja, Wildtiere sind natürlich voll von Milben, Läusen, Flöhen, Zecken, Würmern und allen anderen Parasiten. Das mag vielleicht natürlich sein, doch gesund oder „glücklich“ sind die sicherlich auch nicht damit. Zum Glück leben diese Tiere aber nicht so eng beieinander, sodass die Ansteckung und Konzentration nicht so hoch ist wie auf der Hundewiese in der Stadt. 

Zudem leben diese Tiere auch nicht in unseren Wohnungen und können uns Menschen anstecken und wir als Tierbesitzer haben auch keine direkte Verantwortung für Wildtiere in diesem Bereich. Für unsere eigenen Haustiere jedoch schon.
Eine regelmäßige Floh-, Zecken- und Wurmbehandlung mit wirksamen Medikamenten vom Tierarzt ist Tierschutz und Menschenschutz.

13) Mittel aus dem Internet

Es gibt tatsächlich ein oder zwei gute, verträgliche und wirksame Mittel besonders für Hunde im Internet frei zu kaufen (z.B. Scalibor oder Seresto) –> KEINE Flohhalsbänder für Katzen mit Freigang!!!

Doch der Rest ist raus geschmissenes Geld.

Alles im Zoofachhandel, oder aus sonstigen nicht tierärztlichen Quellen wirkt einfach nicht. Ganz besonders alle Mittel mit dem ehemals guten Wirkstoff „Fipronil“ so wie das Medikament, das mit „Front“ anfängt und mit „line“ aufhört, hat kaum noch Wirkung gegen Flöhe. 

Wirksame Floh- Zecken-, Milben- und Wurmmittel sind aufgrund ihrer guten Wirksamkeit verschreibungspflichtig und nicht frei verkäuflich. Der Tierarzt vor Ort beurteilt die Gefährdungslage, die Gegebenheiten, den Gesundheitszustand des Tiere und die Applikationsform und findet das individuell passende Medikament für jedes in der Tierarztpraxis vorgestellte Tier.

Weitere Infos und Artikel zu dem Thema:



Tags

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