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Tag Archives for " Qualzucht "

3. Kampagne gegen Qualzucht



Weitere Infos dazu finden Sie hier: 
https://www.tieraerztekammer-berlin.de/qualzucht/qualzuchtkampagne-iii.html



Die ganze Tierärzteschaft setzt sich seit Jahren gegen Qualzucht ein – leider ohne großen Erfolg: https://www.bundestieraerztekammer.de/tierhalter/qualzuchten/



Hier ist ein Blogbericht aus eigener Erfahrung:
https://hund-katze-heimtier-kleintier.de/eine-wahre-begebenheit/

Pressmitteilung:

Schön sinnlos! – „umdenken-tierzuliebe“

Dritte Kampagne der Tierärztekammer Berlin gegen Qualzuchten

Berlin, 1. Dezember 2020 – Mit ihrem aktuellen Kampagnenslogan „Schön sinnlos!“ möchte die Berliner Tierärztekammer den Trend zum unbedachten Tierkauf stoppen und potenzielle Käufer*innen sensibilisieren. Seit dem 1. Dezember sind in Berlin auf Bussen Plakate gegen Qualzucht veröffentlicht, auf denen Tierärzte*innen Stellung beziehen bzw. die durch Zucht auf vermeintliche Schönheit, Niedlichkeit oder Extravaganz entstandenen Defektzuchten prob-lematisiert werden.

Außerdem wurden Informationsstelen entwickelt, die u. a. in Bürgerämtern und tierärztlichen Praxen über die Problematik extremer Zuchtformen und Defektzuchten aufklären sollen. Be-gleitet wird die Aktion durch Postkarten, Flyer und Buttons sowie Anzeigen in regionalen Ta-geszeitungen. Geplant ist darüber hinaus ein Informationsstand im Hundeauslaufgebiet am Grunewaldsee in Berlin.

„Der Hang zum Besonderen darf nicht auf Kosten der Tiergesundheit gehen“, mahnt die Prä-sidentin der Tierärztekammer Berlin, Dr. Heidemarie Ratsch. Schönheitsideale wie kurze Schnauzen oder besonderes Fell (gestromt, weiß oder gar kein Fell) haben zumeist gesund-heitliche Schäden für die Tiere als Nebenwirkung. Sie führen dazu, dass relevante Sinne der Tiere gestört sind. Die Tiere leiden z. B. unter Atemnot, sind taub, blind oder haben Probleme sich zu orientieren, wenn ihnen die Sinneshaare fehlen. Da ein Großteil der Hunde und Katzen nicht von professionellen Züchter*innen gezüchtet wird, sollten potenzielle Tierhalter*innen ge-nerell über rassespezifische Gesundheitsrisiken und mögliche Erbmängel aufgeklärt werden. Denn Qualzucht ist nicht niedlich, sondern schafft Schmerzen, Leiden und Schäden! Werden solche Tiere nicht gekauft, werden sie auch nicht mehr gezüchtet.

Neben Aufklärung muss auch der Import bzw. das Verbringen solcher Tiere untersagt werden. Ein striktes Ausstellungsverbot – nicht nur für Hunde – muss etabliert und die Zucht streng reguliert werden. Außerdem sollte jede Nutzung von Defektzuchten in der Öffentlichkeit durch Werbung oder in Filmen unterlassen werden, um den Erwerb solcher Tiere nicht zusätzlich anzureizen. Alle sind gefordert hier Abhilfe zu schaffen. Helfen Sie mit und lassen Sie uns die Öffentlichkeit gemeinsam aufklären. Studierende der Veterinärmedizin engagieren sich schon und stellen die Stelen bei interessierten Einrichtungen auf und versorgen sie mit zusätzlichen Informationsmaterialien.

Gefördert durch:

  • Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung Berlin
  • Klaus Liedtke-Stiftung

Weiterführende Informationen:

www.tieraerztekammer-berlin.de/qualzucht

www.bundestieraerztekammer.de/tierhal-ter/qualzuchten/

Eine wahre Begebenheit


Gerade bekamen wir einen Anruf in der Tierarztpraxis, den meine Frau entgegen genommen hat.
Später berichtete Sie mir davon nach unserer internen Tradition.

Das Spiel heißt: „Rate mal…“ 

Die haben sich einen Welpen gekauft und haben jetzt Probleme.
Rate mal welche Rasse?
    – Französische Bulldogge
Rate mal welche Probleme?
    – Durchfall
Rate mal, worüber Sie den Hund gefunden haben?
    – Über eBay
Rate mal, wer der Besitzer sein soll?
    – Kein Züchter
Rate mal woher die jetzigen Besitzer den Hund haben?
    – Aus Osteuropa
Rate mal, wie alt der sein soll?
    – 8 Wochen
Rate mal was sie bezahlt haben?
    – Weit unter dem Preis eines zertifizierten deutschen Züchters

Letztlich haben sie also einen illegal nach Deutschland eingeführten, nicht ausreichend geimpften, nicht sozialisierten, viel zu junges Qualzucht-Baby mit chronischen Gesundheitsproblemen über eine Internetplattform von einem Zwischenhändler eines osteuropäischen Tier-Vermehrers zu einem Dumpingpreis gekauft.

Herzlichen Glückwunsch!
Sie haben so gut wie alles falsch gemacht, was man beim Hundekauf falsch machen kann!

Im Endeffekt war der Hund noch nicht einmal 8 Wochen alt, sondern eher gerade 6 Wochen; also schon mit 4-5 Wochen von der Mutter abgesetzt.
Er ist „angeblich“ schon einmal geimpft worden, falls überhaupt dann viel zu früh.
Jedoch hatte er keine Tollwutimpfung und ist somit auf jeden Fall illegal über die Grenze aus Ungarn nach Deutschland gebracht worden.
Zum Glück haben wir bisher keine Verdacht, dass es sich bei dem Durchfall um Parvovirose handelt.
Dafür hat der Kleine aber Giardien mitgebracht, was auch kein Zuckerschlecken ist. Die Hygienemaßnahmen sind umfangreich (hier helfen nur spezielle Reinigungsmittel) und bei jedweder Behandlung eines so jungen Welpen ist immer mit Nebenwirkungen zu rechnen.
Mit etwa 1300 g ist der Kleine auch jetzt schon unterernährt, die Rippen stehen raus und das Köpfchen kann er kaum hoch halten. Die Prognose ist „vorsichtig“ wie es dann genannt wird.

Und als Tierarzt steht man wieder blöd da, wenn man wagt den jungen Hunde-Eltern zu erzählen, was sie alles falsch gemacht haben. Nun ist das Tier also hier und muss behandelt werden. 

Es wäre schön, wenn Tierbesitzer VORHER einen Fachmann/Fachfrau fragen würden und nicht erst, wenn alles schon zu spät ist.

Gerade zu diesem Thema haben wir hier auch ein günstiges eBook im Angebot:

Update 1:
Jetzt, 3 Wochen später ist der Kleine so geschwächt, dass er seit dem ersten Besuch nicht zugenommen, sondern sogar abgenommen hat.
Der Darm scheint so geschädigt zu sein, dass die Nahrung praktisch unverdaut hinten wieder heraus kommt. Auch ein Aufenthalt in der Klink ergab keine wirkliche Besserung.
Die Besitzer kämpfen zwar noch im Schichtdienst – einer muss nachts jede Stunde Fütter und einer tagsüber, doch die Hoffnung schwindet, auch bei uns. Die Prognose ist jetzt fraglich bis aussichtslos.

Update 2:
2 Tage später ist er leider, oder endlich, mit gerade einmal 1000g und unstillbarem Durchfall 
verstorben

Abgesehen davon, dass die kleine Französische Bulldogge schon alleine aufgrund der Rasse und der damit verbundenen Deformationen, vor allem am Kopf, ein Leben mit täglicher Atemnot und unter Qualen verbracht hätte, selbst wenn sie überlebt hätte, so war es jetzt doch letztlich eine Erlösung.

Retrospektiv betrachtet haben die Besitzer einen „toten Hund“ gekauft, nur sie und der Welpe wussten es noch nicht. Die Verkäuferin bzw. die Vermehrer haben das jedoch billigend in Kauf genommen.