Oktober 8, 2026

Giardiose / Giardien bei Katzen


Giardiose bei Katzen


Giardiose ist eine häufig vorkommende parasitäre Darmerkrankung bei Katzen.

Sie wird durch einzellige Parasiten der Gattung Giardia verursacht, die sich im Dünndarm vermehren und vor allem bei Jungtieren, geschwächten Katzen oder in Mehrkatzenhaushalten zu wiederkehrendem Durchfall führen können.

Giardien – früher Lamblien genannt – sind einzellige Parasiten. Eine Infektion mit einem ihrer Vertreter, dem Dünndarmparasiten namens Giardia lamblia, kann beim Menschen eine Erkrankung des Dünndarms auslösen: die Giardiasis (bzw. Lambliasis).

Eine Besonderheit der Giardiose ist, dass Katzen die Erreger ausscheiden können, ohne selbst deutliche Krankheitszeichen zu zeigen. 
Dadurch können sich die Parasiten in Tiergruppen leicht verbreiten.


Übersicht (PDF) Giardiose: https://kleintierexperte.de/dl/68

Was sind Giardien?


Giardien sind mikroskopisch kleine Einzeller, die den Darm verschiedener Säugetiere besiedeln können. Bei Katzen ist insbesondere Giardia duodenalis von Bedeutung.

Der Parasit kommt in zwei Formen vor:
  1. Trophozoiten: Sie leben im Darm und vermehren sich dort.
  2. Zysten: Diese widerstandsfähigere Form wird mit dem Kot ausgeschieden und kann andere Tiere infizieren.

Die Ansteckung erfolgt vor allem durch die Aufnahme infektiöser Zysten.

Wie steckt sich eine Katze mit Giardien an?


Eine Katze kann sich infizieren, wenn sie Giardienzysten aufnimmt. 

Das kann beispielsweise über folgende Wege geschehen:

  • Kontakt mit infiziertem Kot
  • verschmutzte Katzentoiletten
  • kontaminiertes Wasser
  • verschmutzte Futternäpfe
  • gemeinsames Liegen oder Spielen mit infizierten Tieren
  • Aufnahme von Zysten aus der Umgebung
  • gegenseitiges Putzen

Besonders leicht können sich Giardien dort verbreiten, wo viele Katzen zusammenleben. Dazu gehören beispielsweise Tierheime, Zuchten, Pensionen oder Mehrkatzenhaushalte.

Zur Zeit stellen wir (subjektiv) in unserer Praxis deutlich mehr Giardieninfektionen fest als noch vor einigen Jahren und unseres Erachtens auch „hartnäckigere“.

Symptome einer Giardiose bei Katzen


Nicht jede infizierte Katze zeigt Symptome. 
Bei einer klinisch erkrankten Katze steht meist der Durchfall im Vordergrund.

Typische Anzeichen können sein:

  • weicher oder breiiger Kot
  • wiederkehrender oder länger anhaltender Durchfall
  • übelriechender Kot
  • Schleim im Kot
  • gelegentlich Blutbeimengungen
  • Bauchschmerzen oder Bauchgeräusche
  • Blähungen
  • Gewichtsverlust
  • schlechtere Gewichtszunahme bei Kitten
  • gelegentlich Erbrechen
  • verminderter Appetit

Der Durchfall kann phasenweise auftreten. 
Dadurch entsteht manchmal der Eindruck, dass sich die Erkrankung von selbst gebessert hat.
Giardiose bei Kitten

Junge Katzen können stärker betroffen sein als gesunde erwachsene Tiere. 
Wiederkehrender Durchfall kann bei Kitten zu Flüssigkeits- und Nährstoffverlusten führen und die Gewichtsentwicklung beeinträchtigen.

Bei länger anhaltendem Durchfall oder einem schlechten Allgemeinzustand sollte deshalb frühzeitig eine tierärztliche Untersuchung erfolgen.

Wie wird Giardiose festgestellt?


Der Nachweis von Giardien erfolgt über eine Kotuntersuchung.


Da Giardien nicht zwangsläufig mit jeder Kotportion ausgeschieden werden, kann eine Untersuchung einer einzelnen Probe negativ ausfallen, obwohl eine Infektion vorhanden ist.
Deshalb kann es sinnvoll sein, eine Sammelkotprobe über mehrere Tage untersuchen zu lassen. 
Je nach Situation kommen unterschiedliche Untersuchungsverfahren zum Einsatz, beispielsweise der Nachweis von Giardia-Antigenen oder molekularbiologische Verfahren.
Diese Schnellteste können meistens direkt vor Ort beim Tierarzt Ihres Vertrauens gemacht werden.

Ein positives Testergebnis muss außerdem immer im Zusammenhang mit den Beschwerden der Katze beurteilt werden. 
Jede Katze mit einem Giardiennachweis ist behandlungsbedürftig um vor allem auch die chronischen „Dauerausscheider“ zu finden, die zwar selbst nicht wirklich krank sind, aber die Infektion weiter verbreiten.

Es gibt auch Schnelltests, die Sie selbst verwenden können, doch
1. sind Giardien ansteckend und
2. ist die Fehlerquote in einem Labor / einer Tierarztpraxis, welches solche Tests täglich macht deutlich geringer.
Also bringen Sie bei Verdacht lieber gleich eine Kotprobe zum Tierarzt mit.

Behandlung der Giardiose


Welche Behandlung notwendig ist, entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt anhand des Alters, des Gesundheitszustands, der Symptome und der Untersuchungsergebnisse.

Zur Behandlung können Medikamente eingesetzt werden, die gegen Giardien wirksam sind. Welcher Wirkstoff, welche Dosierung und welche Behandlungsdauer geeignet sind, hängt von der individuellen Situation ab.

Üblicherweise erfolgt eine 5 tägige Behandlungsphase 1 und eine 7 tägige Pause gefolgt von einer weiteren 5 tägigen Behadlungsphase. Nach weiteren 5 – 7 Tagen sollte eine Kontrolluntersuchung durchgeführt werden. 
Nur wenn diese negativ ist, gilt die Katze als geheilt.
Durch die hohe Ansteckung kann es während der Behandlung permanent zu „Re-Infektionen“ kommen, sodass noch ein 3. oder sogar 4. Behandlungsdurchgang erforderlich ist.

Medikamente sollten bei Katzen nicht eigenständig dosiert oder verabreicht werden.

Die Behandlung von Giardieninfektionen erfolgt in der Regel durch die Verabreichung von verschreibungspflichtigen (nur beim Tierarzt) Medikamenten wie Metronidazol oder Fenbendazol. Es ist jedoch wichtig, dass die Behandlung von einem Tierarzt überwacht wird, da einige Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand und Schwere der Infektion berücksichtigt werden müssen.

Neben der Behandlung der Katze spielt die Hygiene eine wichtige Rolle.
Andernfalls kann es zu einer erneuten Aufnahme von Giardienzysten aus der Umgebung kommen.


Hygiene ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung


Giardienzysten können mit dem Kot in die Umgebung gelangen. 
Eine gründliche Hygiene kann deshalb dazu beitragen, die Belastung der Umgebung zu reduzieren.
Hier ein PDF zur Hygiene bei Giardienbefall: https://kleintierexperte.de/dl/67

Wichtig sind insbesondere:
  • Katzentoiletten 
    • Kot möglichst schnell entfernen
    • Katzenstreu täglich komplett wegwerfen
    • Toiletten regelmäßig gründlich reinigen mit kochendem Wasser
    • mehrere Katzentoiletten in Mehrkatzenhaushalten besonders sorgfältig hygienisch halten
    • nach der Reinigung Hände gründlich waschen
  • Näpfe
    • Futter- und Wassernäpfe regelmäßig reinigen und gründlich abspülen.
  • Liegeplätze und Textilien
    • Decken, Kissen und andere waschbare Textilien regelmäßig reinigen. 
    • Waschbare Gegenstände sollten möglichst heiß gewaschen werden, sofern das Material dies erlaubt.
  • Fell
    • Bei Katzen mit stark verschmutztem Fell rund um den After kann eine vorsichtige Reinigung sinnvoll sein. Dadurch lässt sich verhindern, dass infektiöse Zysten beim Putzen erneut aufgenommen werden.
    • Spezialshampoo dafür gibt es beim Tierarzt
    • Bei langhaarigen Katzen kann die Reinigung des Hinterteils besonders wichtig sein.
    • nach der Reinigung Hände gründlich waschen
  • Umgebung / Haus / Böden 
    • Alles einmal mit einem Spezial-Desinfektionsmittel wischen
    • alle Möbel und Gegenstände, zu denen die Katze Zugang hatte, einsprühen
Es gibt nur ein wirklich wirksames Reinigungsmittel, welches auch gegen Giardien wirkt: ViPiBax


Dieses Mittel hat entweder Ihr Tierarzt für Sie oder Sie bekommen es z.B. bei DocMorris

Können Giardien immer wieder auftreten?


Ja. Nach einer erfolgreichen Behandlung kann eine Katze erneut Giardien aufnehmen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass das eingesetzte Medikament nicht funktioniert hat. 
Eine erneute Infektion kann beispielsweise durch kontaminierte Gegenstände, die Umgebung oder andere infizierte Tiere erfolgen.

Bei wiederkehrenden Beschwerden sollte deshalb gemeinsam mit der Tierarztpraxis geprüft werden, ob tatsächlich eine erneute Giardiose vorliegt oder ob eine andere Ursache für den Durchfall verantwortlich ist.

Die Heilung des geschädigten Darms nach einer Giardieninfektion dauert auch einige Tage bis Wochen. Es kann also durchaus noch zu „Durchfall“ kommen, obwohl die Erreger schon nicht mehr vorhanden sind.

Giardien bei mehreren Katzen


Lebt eine Katze mit anderen Katzen zusammen, sollte die Situation des gesamten Haushalts berücksichtigt werden.

Nicht jede Katze muss automatisch behandelt werden. 
Ob weitere Tiere untersucht oder behandelt werden sollten, hängt unter anderem davon ab, ob sie Symptome zeigen, wie die Haltungsbedingungen sind und wie die tierärztliche Untersuchung ausfällt.

Eine gute Hygiene ist in Mehrkatzenhaushalten besonders wichtig.

Fütterung und Unterstützung


Unterstützend können Sie die Moro’sche Möhrensuppe zusätzlich zur Giardien-Diät (low-carb) verfüttern. (–> PDF mit Rezept zur Moroschen Suppe: https://kleintierexperte.de/dl/31)


Nach einer Giardieninfektion muss sich die Darmschleimhaut wieder regenerieren, was einige Tage bis Wochen dauern kann.

Auch sollte der Darm mit „gesunden“ Darmbakterien wieder beimpft werden.
Dafür gibt es viele Pro- und Präbiotika im Sortiment bei Ihrem Tierarzt oder auf Tierarzt24

Sind Giardien auf den Menschen übertragbar?


Giardia-Arten können grundsätzlich auch Menschen infizieren. 
Bei Giardia duodenalis gibt es allerdings verschiedene genetische Varianten, sogenannte Assemblagen, die sich hinsichtlich ihres Wirtsspektrums unterscheiden.

Eine Übertragung von der Katze auf den Menschen ist daher nicht grundsätzlich ausgeschlossen, aber das Risiko hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Besonders wichtig ist eine sorgfältige Handhygiene:

  • Hände nach dem Reinigen der Katzentoilette waschen
  • Hände vor dem Essen gründlich reinigen
  • Kot nicht mit bloßen Händen anfassen
  • Kinder beim Umgang mit Katzentoiletten entsprechend anleiten

Bei immungeschwächten Personen oder kleinen Kindern sollte besonders auf konsequente Hygiene geachtet werden.

Kann man Giardiose bei Katzen vorbeugen?


Einen vollständigen Schutz gibt es nicht. Das Infektionsrisiko lässt sich jedoch durch gute Hygiene reduzieren.

Sinnvolle Maßnahmen sind:

  • Katzentoiletten regelmäßig reinigen
  • Kot möglichst schnell entfernen
  • Futter- und Wassernäpfe sauber halten
  • verschmutzte Liegeplätze regelmäßig reinigen
  • Hände nach dem Kontakt mit Kot gründlich waschen
  • neue Katzen bei Bedarf tierärztlich untersuchen lassen
  • bei Durchfall nicht unnötig lange abwarten
  • in Mehrkatzenhaushalten besonders auf Hygiene achten

Eine regelmäßige vorbeugende Behandlung mit Medikamenten gegen Giardien sollte dagegen nicht ohne tierärztliche Empfehlung erfolgen.

Wann sollte eine Katze zum Tierarzt?


Ein kurzfristiger weicher Kot ist nicht automatisch ein Hinweis auf Giardien. 
Hält der Durchfall jedoch an, kehrt er regelmäßig wieder oder treten weitere Beschwerden hinzu, sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden.

Besonders wichtig ist eine Untersuchung bei:

  • starkem oder länger anhaltendem Durchfall
  • Blut im Kot
  • wiederholtem Erbrechen
  • deutlichem Gewichtsverlust
  • Appetitlosigkeit
  • Schwäche oder Teilnahmslosigkeit
  • Anzeichen von Austrocknung
  • Kitten mit anhaltendem Durchfall

Bei starkem Flüssigkeitsverlust kann insbesondere bei jungen oder geschwächten Katzen schnell eine ernsthafte Situation entstehen.

Zum Tierarztbesuch unbedingt gleich eine Kotprobe mitbringen!

Häufige Fragen zur Giardiose bei Katzen

Wie sehen Giardien im Kot aus?

Giardien selbst sind mit bloßem Auge nicht sichtbar. 
Der Kot kann bei einer Giardiose allerdings weich, breiig, schleimig oder auffällig übelriechend sein.

Kann eine Katze Giardien haben, ohne Durchfall zu bekommen?

Ja. Katzen können Giardien tragen und ausscheiden, ohne deutliche Krankheitssymptome zu zeigen sog. Dauerausscheider.

Wie lange dauert eine Giardiose?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Verlauf und Dauer hängen unter anderem vom Alter, Gesundheitszustand, Immunsystem und der Belastung mit Giardien sowie von möglichen Begleiterkrankungen ab.

Muss eine Katze mit Giardien isoliert werden?

Eine vollständige Isolation ist nicht in jedem Fall erforderlich. 
Bei mehreren Katzen können jedoch Hygienemaßnahmen und gegebenenfalls eine zeitweise Trennung sinnvoll sein. 
Dies sollte mit der behandelnden Tierarztpraxis abgestimmt werden.

Sind Giardien für Katzen gefährlich?

Bei gesunden erwachsenen Katzen verläuft eine Infektion häufig mild oder sogar ohne erkennbare Symptome. 
Bei Kitten, älteren oder geschwächten Katzen kann anhaltender Durchfall jedoch zu Flüssigkeits- und Gewichtsverlust führen und dadurch problematisch werden und auch zum Tod führen.

Fazit


Giardiose gehört zu den häufigeren Ursachen von wiederkehrendem Durchfall bei Katzen. Nicht jede infizierte Katze wird krank, und nicht jeder Durchfall ist automatisch auf Giardien zurückzuführen.

Ein zuverlässiger Nachweis erfolgt über geeignete Kotuntersuchungen. 
Bei einer behandlungsbedürftigen Erkrankung ist neben der tierärztlich festgelegten Therapie vor allem eine konsequente Hygiene wichtig, um die erneute Aufnahme von Giardienzysten zu verhindern.

Bei anhaltendem Durchfall, Gewichtsverlust oder einem schlechten Allgemeinzustand sollte die Katze tierärztlich untersucht werden – bei Kitten und geschwächten Tieren besonders frühzeitig.

Quellen, Blogartikel, Downloads und weitere Hinweise:

Umfassender Artikel über Giardien (Bildnachweis der grünen Bilder): https://www.erste-hilfe-beim-hund.de/cgi-php/rel00a.prod/joomla/Joomla_1.6/index.php/giardien
Desinfektionsmittel Giardien: https://kleintierexperte.de/go/docmorris
Praxisflyer DocGoy zur Moro’schen Suppe: https://kleintierexperte.de/dl/31
Übersicht-PDF-Giardien: https://kleintierexperte.de/dl/68
Hygienemaßnahmen Giardien (PDF): https://kleintierexperte.de/dl/67
Medikamente, Futter, Nahrungsergänzung: https://kleintierexperte.de/go/RoyalCanin
Umfangreiche Downloadsammlung über Parasiten bei Tieren: https://www.esccap.de/tieraerzte/servicematerial/downloads/#downloads-th

Tags

Darmparasiten, Desinfektion, DocGoy, Durchfall, Einzeller, Giardien, Giardienzysten, Giardiose, Hund, Hygiene, Katze, Kotprobe, Lamblia, Morosche Suppe, Präbiotika, Reinfektion, tierarzt24, Trophozoit, Vipibax


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