🦔 Igelhilfe im Herbst: Worauf es bei der Fütterung ankommt
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❓📰❗ Genauere Details über die Igelfütterung kannst du zusätzlich unserem Magazinbeitrag entnehmen.
Fachartikel: Igel im Herbst gefunden?
Wenn die Tage kürzer werden, die Temperaturen sinken und die ersten Nachtfröste kommen, begegnen uns wieder häufiger Igel, die auf der Suche nach Nahrung und einem geeigneten Winterquartier durch Gärten streifen.
Viele Tierfreunde möchten den kleinen Stacheltieren helfen und nehmen sie vorsorglich mit ins Haus. Doch Vorsicht: Nicht jeder Igel, der im Herbst noch unterwegs ist, benötigt menschliche Hilfe!
Igel sind Wildtiere und kommen normalerweise sehr gut allein zurecht. Eine gut gemeinte, aber unnötige Aufnahme kann sogar mehr schaden als nutzen.
Wann sollte man einen Igel aufnehmen? Wie erkennt man ein hilfsbedürftiges Tier? Und was muss man bei Pflege, Fütterung und Überwinterung beachten?
Hier die wichtigsten Informationen.
1. Wann benötigt ein Igel Hilfe?
Grundsätzlich gilt: Ein gesunder Igel darf auch im Herbst noch unterwegs sein. Selbst im November kann man gelegentlich aktive Tiere beobachten.Entscheidend ist nicht allein das Gewicht, sondern vor allem der Allgemeinzustand.
Ein Igel benötigt wahrscheinlich Hilfe, wenn er:
- tagsüber längere Zeit offen herumläuft und dabei schwach oder apathisch wirkt.
- deutlich unterernährt oder eingefallen aussieht.
- sich kaum einrollt oder ungewöhnlich wenig auf Berührungsreize reagiert.
- verletzt ist oder sichtbare Wunden hat.
- stark hustet, röchelt oder auffällig schwer atmet.
- von Fliegen umschwärmt wird oder Madenbefall zeigt.
- unterkühlt, krank oder offensichtlich geschwächt ist.
- in einer hilflosen Situation liegt, beispielsweise in einem Kellerschacht oder einer Baugrube.
Besondere Aufmerksamkeit benötigen verwaiste Jungigel, die noch auf die Versorgung durch ihre Mutter angewiesen sind.
Wichtig: Ein Igel, der tagsüber unterwegs ist, ist nicht automatisch krank.
2. Das Gewicht – ein wichtiger, aber nicht allein entscheidender Faktor
Im Herbst wird häufig nach festen Gewichtsgrenzen gefragt. Tatsächlich gibt es Richtwerte, die bei der Einschätzung helfen können.Als grobe Orientierung gelten:
- Tier und Zeitpunkt
- Gewicht als Richtwert
- Jungigel Anfang November: mindestens etwa 500 g
- Erwachsener Igel: etwa 800–1.000 g
Diese Werte sind keine starren Aufnahmegrenzen. Geburtszeitpunkt, Witterung, Ernährungszustand und Gesundheitszustand spielen ebenfalls eine Rolle.
Woran erkennt man einen unterernährten Igel?
- Eingefallene Flanken.
- Eine deutliche Einbuchtung hinter dem Kopf (sogenannter Hungerknick).
- Ein länglicher, eher wurstförmiger Körper.
- Allgemeine Schwäche und geringe Aktivität.
- Ein gut genährter Igel hat dagegen eine rundliche, birnenförmige Körperform.
3. Was tun, wenn ich einen hilfsbedürftigen Igel finde?
Wenn Sie einen offensichtlich kranken, verletzten oder stark geschwächten Igel finden, sollten Sie folgendermaßen vorgehen:Igel sichern: Mit Handschuhen vorsichtig aufnehmen.
Gewicht feststellen: Eine Küchenwaage und eine Schüssel oder ein Karton eignen sich dafür.
Zustand kontrollieren: Verletzungen, Atemgeräusche, Schwäche, Parasiten und auffällige Veränderungen beachten.
Wärme anbieten: Unterkühlte Tiere benötigen eine vorsichtige Erwärmung, beispielsweise mit einer handwarmen Wärmflasche, die in ein Handtuch eingewickelt ist.
Fachkundige Hilfe suchen: Kontaktieren Sie eine igelkundige Tierarztpraxis oder eine erfahrene Igelstation.
Ein Igel sollte nicht einfach auf Verdacht entwurmt oder gegen Parasiten behandelt werden. Die Behandlung muss sich nach dem tatsächlichen Gesundheitszustand richten.
4. Die richtige Unterbringung
Für die vorübergehende Aufnahme benötigt ein Igel eine geeignete, sichere Unterkunft.Geeignet ist:
- Ein ausreichend großer, ausbruchsicherer Karton oder eine Kunststoffbox mit hohen Wänden.
- Ein trockener, ruhiger und zugfreier Standort.
- Zeitungspapier als saugfähige Unterlage.
- Ein kleines Schlafhäuschen oder ein Unterschlupf.
- Weiches, trockenes Nistmaterial, beispielsweise unbedrucktes Küchenpapier.
Wichtig ist die Trennung von anderen Haustieren. Igel können Parasiten und Krankheitserreger übertragen.
Die Unterbringung muss regelmäßig gereinigt werden. Auch die Hände sollten nach jedem Kontakt gründlich gewaschen werden.
5. Was darf ein Igel fressen?
Igel sind überwiegend Insektenfresser. In der Natur ernähren sie sich beispielsweise von Käfern, Raupen, Larven, Würmern und anderen wirbellosen Tieren.Bei der vorübergehenden Versorgung können geeignete Futtermittel angeboten werden.
Hochwertiges Katzen-Nassfutter
- Möglichst fleischreich und ohne Zuckerzusatz. Es eignet sich als vorübergehende Nahrung. (s. Artikel hier oben auf der Seite –> VetDiet Intensive care)
Gekochtes Ei oder ungewürztes Rührei
- Eine geeignete Ergänzung zur Fütterung.
Frisches Wasser
- Muss jederzeit zur Verfügung stehen.
Was darf ein Igel auf keinen Fall bekommen?
Milch und Milchprodukte: Igel können Milchzucker nicht ausreichend verdauen. Es drohen schwere Durchfälle.
- Brot und Brötchen
- Süßigkeiten und gewürzte Speisen.
- Obst und Gemüse als reguläres Futter.
- Gesalzene oder stark gewürzte Lebensmittel.
- Speisereste vom menschlichen Tisch.
- Auch eine dauerhafte Fütterung gesunder Wildigel ist nicht sinnvoll. Ziel ist immer, dass die Tiere ihre natürliche Nahrung selbst finden.
6. Parasiten und Erkrankungen
Ein Igel kann äußerlich gesund erscheinen und trotzdem unter einem erheblichen Parasitenbefall leiden.Häufige Probleme sind:
- Flöhe und Zecken.
- Lungenwürmer.
- Darmparasiten.
- Kokzidien.
- Bakterielle Infektionen.
- Hautpilzerkrankungen.
- Verletzungen und Abszesse.
Besonders gefährlich sind Madenbefall und Fliegenlarven in Wunden. Hier ist schnelles tierärztliches Handeln erforderlich.
Eine tierärztliche Untersuchung sollte insbesondere bei geschwächten, untergewichtigen oder auffällig atmenden Tieren erfolgen.
Wichtig: Nicht jedes Tier muss automatisch entwurmt werden. Auch bei Igeln können unnötige Medikamente den Organismus belasten.
7. Wie überwintert ein aufgenommener Igel?
Die Überwinterung in menschlicher Obhut ist eine besondere Herausforderung und sollte möglichst nur erfolgen, wenn sie tatsächlich notwendig ist.Grundsätzlich muss man zwischen zwei Situationen unterscheiden:
A. Der Igel ist gesund, aber noch etwas zu leicht.
Wenn das Tier ansonsten gesund ist und noch ausreichend Zeit bis zum Wintereinbruch bleibt, kann zunächst eine Zufütterung im Garten ausreichen. Eine Aufnahme ins Haus ist nicht automatisch notwendig.
B. Der Igel ist krank, verletzt oder stark untergewichtig.
Diese Tiere benötigen fachkundige Pflege. Erst wenn sie gesundheitlich stabil sind und ausreichend Gewicht aufgebaut haben, kann eine Überwinterung geplant werden.
Dabei sind folgende Punkte wichtig:
- Ausreichend Nahrung und Wasser während der Aufbauphase.
- Regelmäßige Gewichtskontrollen.
- Tierärztliche Behandlung bei Erkrankungen.
- Ein geeignetes, trockenes und gut isoliertes Winterschlafquartier.
- Möglichst wenig Störung während des Winterschlafs.
Ein Igel darf nicht einfach in einem beheizten Wohnzimmer den gesamten Winter verbringen. Die natürlichen Abläufe des Winterschlafs müssen berücksichtigt werden.
Die spätere Auswilderung sollte erst erfolgen, wenn das Tier gesund, ausreichend kräftig und die Witterung geeignet ist.
8. Was sagt das Gesetz zur Aufnahme von Igeln?
Der Igel ist eine besonders geschützte wildlebende Tierart.Nach dem Bundesnaturschutzgesetz dürfen verletzte, kranke oder hilflose Tiere vorübergehend aufgenommen werden, um sie gesund zu pflegen. Sobald sie wieder selbstständig lebensfähig sind, müssen sie grundsätzlich an geeigneter Stelle wieder in die Freiheit entlassen werden.
Gesunde Igel dürfen dagegen nicht einfach dauerhaft in menschlicher Obhut gehalten werden.
Deshalb sollte jede Aufnahme gut überlegt und auf das notwendige Maß beschränkt sein.
9. Wie kann ich Igeln im eigenen Garten helfen?
Die beste Igelhilfe beginnt eigentlich schon vor dem Winter – nämlich mit einem igelfreundlichen Garten.Folgende Maßnahmen helfen den Tieren besonders:
- Laub- und Reisighaufen als natürliche Winterquartiere liegen lassen.
- Igelhäuser an geschützten, ruhigen Stellen aufstellen.
- Durchgänge in Zäunen schaffen, damit Igel zwischen Gärten wandern können.
- Auf chemische Pflanzenschutzmittel und Schneckenkorn verzichten.
- Mähroboter möglichst nicht nachts einsetzen.
- Kellerschächte und Lichtschächte sichern.
- Teiche und Wasserstellen mit Ausstiegshilfen versehen.
- Vor dem Entfernen von Laub-, Holz- oder Komposthaufen vorsichtig kontrollieren, ob sich darin ein Igel versteckt.
Ein naturnaher Garten mit ausreichend Insekten und Versteckmöglichkeiten ist langfristig die beste Unterstützung für unsere heimischen Igel.
10. Wann sollte ich mit einem Igel zum Tierarzt?
Nicht jeder kleine Igel muss sofort in eine Tierarztpraxis gebracht werden. Bei bestimmten Auffälligkeiten ist eine Untersuchung jedoch dringend notwendig.Sofortige tierärztliche Hilfe ist erforderlich bei:
- Offensichtlichen Verletzungen.
- Madenbefall oder größeren Wunden.
- Atemnot, starkem Husten oder Röcheln.
- Starker Schwäche oder Apathie.
- Unterkühlung.
- Auffälligen neurologischen Symptomen.
- Schwerem Durchfall oder deutlicher Austrocknung.
- Besonders bei jungen Igeln kann sich der Zustand innerhalb kurzer Zeit verschlechtern.
Mein Rat: Lieber einmal fachkundig nachfragen, bevor ein hilfsbedürftiger Igel zu spät versorgt wird.
Fazit: Helfen ja – aber bitte mit Sachverstand!
Igel gehören zu unseren heimischen Wildtieren und benötigen gerade im Herbst unsere Aufmerksamkeit.Trotzdem ist es nicht sinnvoll, jeden kleinen oder spät aktiven Igel einzusammeln und im Haus zu überwintern.
Entscheidend sind der Gesundheitszustand, das Gewicht, das Alter und die äußeren Bedingungen.
Wer einen tatsächlich hilfsbedürftigen Igel findet, sollte ihn sichern, wiegen und möglichst schnell fachkundige Unterstützung suchen.
Die beste Igelhilfe ist eine Kombination aus einem naturnahen Garten, einem geeigneten Nahrungsangebot und verantwortungsbewusstem Eingreifen im Notfall.
Weiterführende Informationen
Pro Igel e. V. – Fachinformationen und IgelhilfeDeutscher Tierschutzbund – Igel richtig helfen
aktion tier – Igelzentrum Niedersachsen
Bundestierärztekammer – Die Herbstigel kommen (PDF Download)









