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Eine wahre Begebenheit


Gerade bekamen wir einen Anruf in der Tierarztpraxis, den meine Frau entgegen genommen hat.
Später berichtete Sie mir davon nach unserer internen Tradition.

Das Spiel heißt: „Rate mal…“ 

Die haben sich einen Welpen gekauft und haben jetzt Probleme.
Rate mal welche Rasse?
    – Französische Bulldogge
Rate mal welche Probleme?
    – Durchfall
Rate mal, worüber Sie den Hund gefunden haben?
    – Über eBay
Rate mal, wer der Besitzer sein soll?
    – Kein Züchter
Rate mal woher die jetzigen Besitzer den Hund haben?
    – Aus Osteuropa
Rate mal, wie alt der sein soll?
    – 8 Wochen
Rate mal was sie bezahlt haben?
    – Weit unter dem Preis eines zertifizierten deutschen Züchters

Letztlich haben sie also einen illegal nach Deutschland eingeführten, nicht ausreichend geimpften, nicht sozialisierten, viel zu junges Qualzucht-Baby mit chronischen Gesundheitsproblemen über eine Internetplattform von einem Zwischenhändler eines osteuropäischen Tier-Vermehrers zu einem Dumpingpreis gekauft.

Herzlichen Glückwunsch!
Sie haben so gut wie alles falsch gemacht, was man beim Hundekauf falsch machen kann!

Im Endeffekt war der Hund noch nicht einmal 8 Wochen alt, sondern eher gerade 6 Wochen; also schon mit 4-5 Wochen von der Mutter abgesetzt.
Er ist „angeblich“ schon einmal geimpft worden, falls überhaupt dann viel zu früh.
Jedoch hatte er keine Tollwutimpfung und ist somit auf jeden Fall illegal über die Grenze aus Ungarn nach Deutschland gebracht worden.
Zum Glück haben wir bisher keine Verdacht, dass es sich bei dem Durchfall um Parvovirose handelt.
Dafür hat der Kleine aber Giardien mitgebracht, was auch kein Zuckerschlecken ist. Die Hygienemaßnahmen sind umfangreich (hier helfen nur spezielle Reinigungsmittel) und bei jedweder Behandlung eines so jungen Welpen ist immer mit Nebenwirkungen zu rechnen.
Mit etwa 1300 g ist der Kleine auch jetzt schon unterernährt, die Rippen stehen raus und das Köpfchen kann er kaum hoch halten. Die Prognose ist „vorsichtig“ wie es dann genannt wird.

Und als Tierarzt steht man wieder blöd da, wenn man wagt den jungen Hunde-Eltern zu erzählen, was sie alles falsch gemacht haben. Nun ist das Tier also hier und muss behandelt werden. 

Es wäre schön, wenn Tierbesitzer VORHER einen Fachmann/Fachfrau fragen würden und nicht erst, wenn alles schon zu spät ist.

Gerade zu diesem Thema haben wir hier auch ein günstiges eBook im Angebot:

Update 1:
Jetzt, 3 Wochen später ist der Kleine so geschwächt, dass er seit dem ersten Besuch nicht zugenommen, sondern sogar abgenommen hat.
Der Darm scheint so geschädigt zu sein, dass die Nahrung praktisch unverdaut hinten wieder heraus kommt. Auch ein Aufenthalt in der Klink ergab keine wirkliche Besserung.
Die Besitzer kämpfen zwar noch im Schichtdienst – einer muss nachts jede Stunde Fütter und einer tagsüber, doch die Hoffnung schwindet, auch bei uns. Die Prognose ist jetzt fraglich bis aussichtslos.

Update 2:
2 Tage später ist er leider, oder endlich, mit gerade einmal 1000g und unstillbarem Durchfall 
verstorben

Abgesehen davon, dass die kleine Französische Bulldogge schon alleine aufgrund der Rasse und der damit verbundenen Deformationen, vor allem am Kopf, ein Leben mit täglicher Atemnot und unter Qualen verbracht hätte, selbst wenn sie überlebt hätte, so war es jetzt doch letztlich eine Erlösung.

Retrospektiv betrachtet haben die Besitzer einen „toten Hund“ gekauft, nur sie und der Welpe wussten es noch nicht. Die Verkäuferin bzw. die Vermehrer haben das jedoch billigend in Kauf genommen.