Februar 2020 - Hund Katze Heimtier Kleintier Haustier

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5. Fall in 4 Wochen – Vergiftung durch neues Rattengift

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Schon wieder …

Immer mehr Fälle von Vergiftungen bei Katzen durch einen neuen Mäuse- & Rattenköder.
Wahrscheinlich nehmen die Katzen den Giftstoff sogar direkt auf und nicht nur indirekt über Mäuse.

Wie sehen die Vergiftungserscheinungen aus?

Das erste, was man sieht ist „Ataxie“.
Die Katze torkelt, kann nicht mehr Stehen oder Laufen, fällt wieder um.
Man könnte an Schwäche, Lähmungen oder einen Autounfall denken.

Das tritt plötzlich auf und dann sollte auch schon der Tierarzt angerufen werden.


Danach folgt die „Hypothermie“:
Die Körpertemperatur sinkt ab – bis auf Werte von unter 32°C. Die Katze wird kalt und stirbt, wenn nichts gemacht wird.

Zusätzlich noch „Hyperästhesie“:
Das ist eine Übererregbarkeit der Sinne besonders der Haut. Also ein Zusammenzucken bei Berührung.

Das endet dann in allgemeinen „Konvulsionen“:
Also generalisierten Krampfanfällen.

Als Letztes kommt „Apathie“ und „Stupor“:
Das bedeutet nicht ansprechbar auf Reize, Bewegungslosigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit und dem Erliegen kommen des Schluckreflexes.

Die Zeit vom Aufnehmen des Giftes bis zum Auftreten erster Vergiftungserscheinungen scheint bei 15 – 30 Minuten zu liegen, es geht als ziemlich schnell.
 
 
Je früher das Tier vom Tierarzt behandelt wird, desto besser sind die Überlebensaussichten.
 
1. Wärme (Sofort Wärmflasche selbst machen!)
Ab hier nur vom Tierarzt:
2. Förderung der Giftausscheidung (Nierenanregung / Bindung der Giftstoffe im Darm)
3. Behandlung der Krämpfe
4. Zwangsfütterung, Flüssigkeitsinfusionen und manuelle Blasenentleerung
 
Sollten Sie direkt gesehen haben, wie Ihre Katze die schwarze Paste aufleckt, kann auch noch das Auslösen von Erbrechen zum Ziel führen.
–> KEIN Salzwasser oder Hausmittel, sondern vom Tierarzt mit einem speziellen Medikament!
 
Meistens kommt man jedoch zu spät, denn wenn die Katze schon Symptome zeigt, als Verhaltensänderungen aufweist, wirkt das Gift schon.
Es gibt kein gezieltes Gegenmittel. Man kann also nur symptomatisch behandeln. Meistens verschlechtert sich der Zustand trotz Behandlung erst noch. Die Tiere müssen in ruhiger Umgebung beobachtet werden und gezielt behandelt werden.
Nach 2 bis 3 Tagen, wenn das Gift den Körper wieder verlassen hat, oder vom Körper abgebaut worden ist, geht es den Tieren meistens wieder gut und es scheint keine Folgeschäden zu geben.
 

Wie sieht das Gift aus?

Es scheint eine schwarze wohlschmeckende Paste zu sein.
Der Gift-Wirkstoff heißt „α-Chloralose“.
Die Verpackung s. Bild:
 
 

Was können Sie machen?

1. Verwenden Sie selbst nicht dieses Gift oder wenn, dann nur in geschlossenen Räumen, so wie es in der Beschreibung auch steht.
2. Wenn Sie ein Tier mit den oben genannten Symptomen finden, sofort Wärmflasche und ab zum Tierarzt damit
3. Sprechen Sie Freunde, Nachbarn und alle in der Umgebung darauf an, damit die Giftquelle gefunden und beseitigt werden kann.
 
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Vorheriger Artikel:
(https://tierarzt-gusborn.blogspot.com/2019/12/achtung-gift-gefahrlich.html)

Wir haben im letzten Monat 3 Katzen mit schweren Vergiftungen durch dieses neue Mäuse- und Rattengift in der Praxis gehabt.
Das GIFT ist frei verkäuflich praktisch ohne deutlich sichtbare Warnhinweise.
Anscheinend wird der Giftstoff – eine schwarze Paste – sogar direkt von den Katzen aufgenommen und nicht nur indirekt über vergiftete Mäuse oder Ratten.

Die Katzen kommen zu uns mit schwerer Untertemperatur (normal 38,5°C – ein Patient lag sogar nur bei 32° C), Apathie bis hin zur Bewusstlosigkeit und gleichzeitigen peripheren Krampfanfällen.
Eine gezielte Behandlung oder ein Gegenmittel gegen den Wirkstoff „α-Chloralose“ gibt es nicht.

Die Therapie ist langwierig und ungewiss. Bisher haben wir zum Glück alle Patienten durchbekommen. Man kann nur versuchen die Tiere symptomatisch zu behandeln und sie so lange am Leben zu erhalten, bis das Gift wieder aus dem Körper ist.

Das bedeutet vor allem Wärme, etwas gegen die Krämpfe geben künstliche Ernährung / Infusion und Anregung der Ausscheidung über die Niere.


Sollten Sie ein Tier in diesem Zustand vorfinden, dann ist die 1. Maßnahme eine Wärmflasche und und dann zum Tierarzt.

Hinweis zu dem Giftstoff: https://www.vetpharm.uzh.ch/clinitox/toxdb/KLT_016.htm
Hinweise zu dem Produkt: https://www.neudorff.de/fileadmin/medien/neudorff.de/Gebrauchsanweisungen/4005240007112_GA_Sugan_M%C3%A4useK%C3%B6der_Paste_120_g.pdf